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Aphex Twin: Syro

Aphex Twin: SyroZuerst tauchte das 20 Jahre alte, unveröffentlichte Album „Caustic Window“ online auf. Fans hatten sich über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter digitale Kopien gesichert. Das konnte James nicht ignorieren. Der Zeitpunkt für die Rückkehr als Aphex Twin war gekommen. Die Mittel dafür sind ja vorhanden. James hat sich in seinem schottischen Landhaus einen Maschinenpark eingerichtet. Er kann ständig zwischen einem Studio mit elektro-mechanischen Robotern, einem mit MIDI-Pfeifenorgeln, einem Laptop-Lager, einem Plattenraum und einem großen Saal mit massiven Computer-Kolossen wechseln.
Das Equipment hat ihn indes nicht dazu gebracht, seinen Sound zu überdenken. Er vertraut auf ein Spektrum, das von idyllischen bis zu hypernervösen Momenten reicht. Er liefert wieder diese trickreichen Montagen ab, die ihn in den Neunzigern zum Innovator der elektronischen Musik gemacht haben. In „Minipops 67 (Source Field Mix)“ blubbert und zischt es kapriziös. Es kommen kurz echte und verfremdete Stimmen zum Einsatz, und irgendwo lauert dort auch eine Melodie. Durch „Produk 29“ ziehen sich ein Electro-Beat, Gefiepe und Jazz-Sprengsel. Mit „180db“ endet dann die verträumte Einstiegsphase.
Das Grundtempo erhöht sich merklich, und der Synthesizer-Sound hört sich an, als habe sich ein Insekt im Ohr eingenistet. In „CIRCLONT14 (Shrymoming Mix)“ bricht sie aus, die alte Aphex-Vorliebe für hysterisch hoppelnde Breakbeats. Am Ende beruhigt sich alles mit dem Piano-Track „Aisatsana“. Spätestens da merkt man, wie durchdacht „Syro“ im Vergleich zum Vorgänger „Drukqs“ ist.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Aphex Twin, Syro (Warp / Rough Trade)

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