Konzerte & Party

Apparat im Hau 2

APPARATWenn der Elektronik-Musiker Sascha Ring auf seine Prägejahre zurückblickt, dann spricht er von „meiner Rave-Jugend“ und von Partys, bei denen er in fensterlosen „Russenbunkern“ auflegte. Es klingt nach sehr fernen Zeiten. Mit seiner zehn Jahre umspannenden Diskografie unter dem Alias Apparat ist der 33-Jährige in der Tat fast ein Veteran unter Berlins Clubmusikern. Dieser Tage geht er nach eigenem Bekunden „nicht mehr in Clubs“. Statt der Beschallung mit geraden Bassbeats im Berghain oder Watergate sucht er lieber die schöne Einsamkeit, beispielsweise per Motorrad raus aus Berlin. 2010 führte ihn die Stadtflucht noch mal ein paar Tausend Kilometer weiter. Da buchte er ein Haus in Mexiko, um mit ein paar musikalischen Gefährten und schlichtem Equipment möglichst weit fortzukommen von seiner Arbeitsroutine mit dem Computer als Herzstück. Die Sehnsucht nach dem Unkomplizierten und nach größerem Freiraum prägt nun den Charakter der so entstandenen Songs, die sich auf dem neuen Album „The Devil’s Walk“ versammeln.

Warme Ins­trumente prägen sich ein: einzeln angeschlagene Banjosaiten, Streicher in ruhigen Wiederholungsmustern, Klavier. Um die Songs klar zu halten, musste sich Ring teils disziplinieren und sich mit seinem Faible für Verfremdungseffekte und geschichtete Knuspergeräusche zurückhalten. Seine melodische Stimme rückt so wie von selbst ins Zentrum des mit Band umgesetzten Klangspektrums. Eine ungewohnte Position, die Ring offenbar zu selbstbewussterem Gesang beflügelt hat – und die eine ähnliche weiche Weltmüdigkeit ausstrahlt wie Thom Yorke. Dem weiten Pop-Gestus kommt er damit näher als zuvor. Doch davor, ins Süßliche abzudriften, hüten ihn die kleinen Reibungsmomente aus seinem Lieblings-Apparat. So ganz ohne Computertasten kommt ­Sascha Ring dann doch nicht aus.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Constantin Falk

Apparat HAU 2, Mo 19.?–?Mi 21.12., 20 Uhr, Mo + Di ausverkauft, Zusatztermin VVK: 22,50 Ђ

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