Konzerte & Party

Apparat Organ Quartet in der Volksbühne

Apparat Organ Quartet

Man kennt Jуhann Jуhannsson als großen Elegiker unter Reykjavнks emsigen Postrockern: als einen, der mit Platten wie „Fordlandia“ so etwas wie Soundtracks für imaginäres Kino kreiert, voller ruhiger ernster Klänge von Streichern oder Klavier und loderndem Drama. Weiter davon entfernt könnte die Musik scheinbar nicht sein, die Jуhannsson mit dem Apparat Organ Quartet spielt. Besetzt mit vier Keyboardern nebst Schlagzeuger ist an kammermusikalischen Edelklang und langsame Crescendi nicht zu denken. Stattdessen prägen obskure bis drollige Töne betagter Keyboards und E-Orgeln das Geschehen: Sounds, die einen vergilbten Roboter-Charme versprühen und an frühe Modelle aus den Häusern Casio, Yamaha und Hammond denken lassen. „Pуlэfуnнa“ heißt das zweite Album des eigentlich fünfköpfigen „Quartetts“. Gemessen am kuriosen Bandkonzept klingen die Tracks überraschend popselig. Ausdrucksvolle Grooves von Rhythmusmann Arnar Geir Уmarsson bringen zudem einen satten Rockschliff mit ins Spiel. Stücke wie „Cargo Frakt“ mit Kraftwerk-gemäß verzerrten Vokallinien kommen noch mit Prototechno-Charme daher, das ulkig betitelte „Macht Parat Den Apparat“ überführt später die Mensch/Maschine-Ästhetik in treibenden Rock um ein massiges Synthriff. Mitunter lassen Jуhannsson und Co. ihre gestaffelten Tastenharmonien auch in psychedelisch weiten Bahnen kreisen; dann landen sie letztlich wieder bei Jуhannsson Lieblingsdisziplin: Musik fürs Kopfkino.

Text: Ulrike Rechel

Apparat Organ Quartet, Volksbühne, So 18.9., 20 Uhr, AK: 18/14 Euro

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