Konzerte & Party

Arcade Fire in der Wuhlheide

Arcade Fire

Früher war alles ganz unkompliziert. Man kaufte sich ein Ticket zum Festpreis, ging zum Veranstaltungsort und schaute sich die Musiker bei der Arbeit an. Für Arcade Fire ist dies zu simpel geworden. Sie haben ihre Besucher im letzten Jahr mit kryptisch angekündigten Shows unter dem Namen The Reflektors und einem Dresscode überrascht. Das hat für Irritationen gesorgt. Dann folgte die Meldung, dass die Kanadier für Auftritte auf der Sommertour VIP-Pakete anbieten. Das Teuerste ist die goldene Variante mit früherem Eintritt, Begrüßung mit Drink an der Bar, Anspruch auf exklusive Merchandise-Geschenke und, wenn es gut läuft, einen Parkplatz in Bühnennähe. Das alles bei Arcade Fire, einer Band, deren Mitglieder man ursprünglich dem Kreis der Gutmenschen zugerechnet hatte. Aber jetzt, auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, machen sich Anzeichen von Exzentrik bemerkbar. Das gilt auch für „Reflektor“, das aktuelle Album. Für dieses Projekt hat die Band unter der Regie von James Murphy, dem ehemaligen Macher von LCD Soundsystem, einen Trip durch die Discos nachempfunden. Sie ist nach Jamaika geflogen, hat dort einen Batzen Songs aufgenommen und sich so ganz nebenbei auch noch vom haitianischen Karneval beeinflussen lassen. Das war mutig und gut, aber am Ende auch etwas extrem. Arcade Fire sollten bei all der Lust auf Spleen und Zirkus jedoch nicht vergessen, dass sie so oder so mitreißend und einzigartig sind. Zum Glück bleibt Berlin jetzt von den übertriebenen Event-Extras verschont.

Text: Thomas Weiland

Foto: Joachim Zimmermann

Arcade Fire, ?Kindl-Bühne Wuhlheide, Mi 18.6., 19 Uhr, ?VVK: 42 Euro zzgl. Gebühr

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