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Arcade Fire: Reflektor

Arcade Fire: ReflektorEs hat sich etwas verändert, das lässt schon der Titelsong erahnen. Der stramme Disco-Beat, das Saxofon aus der Werkstatt von James Chance und ein housiges Piano kennt man aus dem Repertoire des neuen Ko-Produzenten James Murphy (LCD Soundsystem). Haben Arcade Fire die Vorstadt verlassen und die Metropolen-Clubs geentert? Ganz so offensichtlich ist es nicht, aber einen Richtungswechsel hat die Band ganz klar vorgenommen.
Auf „Reflektor“ passiert ständig etwas Neues. Immer wieder stößt man auf plötzliche Brüche. Bestimmte Instrumente, mit denen man bei Arcade Fire nicht gerechnet hat, werden stark betont. Perkussion, Piano, Twang-Gitarre und nicht zuletzt elektronische Instrumente fallen besonders auf. Der Basslauf in „We Exist“ will wie der in „Billie Jean“ sein. Win Butler und sein Gefolge dürfen sich jetzt an so etwas heranwagen. Sie sind nicht so groß, wie der King of Pop es zu seinen besten Zeiten war. Aber sie werden immer populärer.   
Eine wichtige Rolle spielt hier der karibische Raum. „Flashbulb Eyes“ überrascht mit einem Reggae-Groove und schrägen Waber-Sounds aus jamaikanischen Studios. Man bekommt etwas von der geschäftigen Atmosphäre auf einer Hauptstraße zu hören, die sich in Haiti, der Heimat von Rйgine Chassagnes Eltern, befinden könnte. Butler nutzt die lebhaften Momente zu einer Überlegung über ständige Kamerapräsenz: „Hit me with your flashbulb eyes, I’ve got nothing to hide.“ „Here Comes the Night Time“ wird von einem Dancehall-Beat getragen und kurz von einem afrikanischen Zwischenspiel mit viel Voodoo-Zauber unterbrochen. Nach diesen exotischen Ausflügen geht es im vom Indie-Rock der Pixies inspirierten „Normal Person“ rustikaler zu.
Da ist es schon ein Wunder, dass kein heilloses Durcheinander entsteht. Wucht und Entschlossenheit sind Konstanten, sie halten diesen Koloss zusammen.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Arcade Fire, Reflektor (Vertigo/Universal)

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