Konzerte & Party

Arctic Monkeys in der Zitadelle Spandau

Arctic Monkeys

„I wanna be your Ford Cortina“, singt Alex Turner, der 28-jährige Frontmann der Arctic Monkeys mit Faible für filigrane Lyrics, auf deren letztem Album „AM“. Und ja, in der Zeile steckt was drin: Nicht bloß, dass der Ford Cortina zwar ein ganz schicker Wagen, aber gerade noch Mittelklasse ist: In seiner Lotus-Version, Oldtimer-Freaks wissen es, hatte der Cortina echte Alu-Türen statt Stahl. Und die rosten bekanntlich nie. Die Arctic Monkeys selbst sind seit ihrem ersten Album von 2006 („Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“) natürlich nicht mehr Mittelklasse, kommerziell zumindest nicht: Alle Alben gingen in den britischen Album-Charts direkt auf Platz eins. Angerostet sind die Jungs aus Sheffield mit dem sexy Yorkshire-Akzent seitdem auch nicht, aber doch beachtlich gereift: von der Garagenband, die kein einziges Instrument beherrscht, über Dorfjugend-Party-Lyrics bis hin zu den großen Rock-Hymnen in „Suck It And See“ mit Vorliebe für cis-Moll-Akkorde. Und dann „AM“, die Platte aus dem letzten Jahr, mit satten Neunziger-HipHop-Einflüssen. So gesehen sind die Arctic Monkeys ihrem Motto der ersten Platte dann halt doch treu geblieben: Was immer die Leute so reden über uns – so sind wir nicht.
Für ihren Berlin-Auftritt haben die Jungs sich gleich so viel Support geholt, dass sich das Ganze schon nach einem Mini-Festival anfühlt, auch weil es schon bei Tageslicht beginnt, um 16.30 Uhr. Die Arctic Monkeys mögen die jeweiligen drei Bands und wollen sie auf diese Weise unterstützen, so der Veranstalter. Lange waren die Gäste Geheimsache, jetzt wissen wir es genau: Am überraschendsten ist sicher die Nominierung von OK Kid, der dreiköpfigen deutschen Band aus Gießen, die letztes Jahr beim Southside- und beim Hurricane Festival spielten: Pop mit leichtem Casper-HipHop, aber tieferen Texten. Schon näher lag da vielleicht die Wahl von The Strypes, den irischen Rock’n’Roll-Youngsters, allesamt erst zwischen 16 und 18 Jahre alt, aber schon mit Beatles-Vergleichen konfrontiert. Die Arctic Monkeys sehen in den Strypes womöglich ihre jüngeren Brüder – ähnlich gehypte Teenager waren sie immerhin selbst einst. Und die Beatles haben die Arctic Monkeys selbstredend auch im Repertoire, wie sie dieses Jahr glanzvoll mit einem „All my Loving“-Cover im New Yorker Madison Square Garden und an anderen Stationen der US-Tour bewiesen – übrigens zusammen mit Miles Kane. Ja, Insider hatten schon damit gerechnet: Der dritte Support ist selbiger. Der nordenglische Indie-Sänger mit dem introvertierten Blick ist nicht bloß Jahrgang 1986, wie Alex Turner, sondern er rockt auch schon seit 2007 gemeinsam mit Turner bei The Last Shadow Puppets. Wenn das keine Feierbesetzung ist. Und die selbstironisch augenzwinkernde Hymne dazu haben die Arctic Monkeys natürlich auch im Gepäck: „No. 1 Party Anthem“.

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Sebastian Kim

Arctic Monkeys + OK Kid + ?The Strypes + Miles Kane, Zitadelle Spandau, Sa 7.6. 16.30 Uhr, ?VVK: 48 Euro zzgl. Gebühr

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