Konzerte & Party

Arstidir im Lido

Arstidir

Hält man sich vor Augen, dass Island mal gerade rund 318.000 Einwohner hat und damit in etwa so viele wie unsere ehemalige Bundeshauptstadt Bonn oder auch das „sagenumwobene“ Bielefeld, ist es schon erstaunlich, welch musikalische Leckerbissen die Insel im Nordatlantik immer wieder hervorbringt. Von Björk, Sigur Ros oder auch Gus Gus wissen wir, dass die Nordländer zwar etwas anders ticken als der Rest der Welt, aber vielleicht ist ja auch gerade das der Vorteil. Denn musikalisch anders drauf sind definitiv auch Arstidir – bisher noch eher ein Geheimtipp, was sich mit Veröffentlichung des neuen Albums mit dem für deutsche Zungen schwer auszusprechenden Titel „Svefns og vöku skil“ jedoch durchaus ändern kann.
Wie der Albumtitel schon verrät, singt das Sextett aus Reykjavik in Landessprache und betreibt doch nicht nur allein deshalb isländische Traditionspflege. Mit seinem akustischen Kammerfolk ist die Band eindeutig im geheimnisvollen Island der Fabelfiguren, Elfen und Trolle verankert. Die Musik ist dabei mal so klar und kalt wie die Gletscher ihrer Heimat und dann wieder warm wie das Wasser der Geysire. Ihre Songs wurzeln nicht selten in isländischen Volksliedern, verschließen sich jedoch auch den so unterschiedlichen Einflüssen aus Rock, Indie, Klassik und Country nicht. Ungewöhnlich ist dabei schon allein die Besetzung, von der Arstidir ihre mehrstimmigen Gesänge tragen lassen: Auf der Bühne warten drei junge Männer mit Akustik-Gitarre, ein Pianist, sowie zwei Streicher – einer am Cello, einer an der Geige.
Die Band, die in ihren Konzerten auch gerne mal klassische Pop- und Rocksongs auf isländisch singt, beschließt am Ostersonntag das erste Northzone Festival in Berlin. Vor dem Konzert läuft noch die sehenswerte Dokumentation „Backyard“ von Regisseur Arni Sveinsson über die isländische Musikszene.

Text: Martin Zeising

Arstidir, Lido, So 08.04., 20 Uhr

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