Konzerte & Party

Atari Teenage Riot sind wieder da

Atari Teenage Riot

Alec Empire hat wieder richtig Lust auf Krawall. Auf „Is This Hyperreal?“, dem neuen Album von Atari Teenage Riot, spricht er von Musik als Waffe und Quelle der Bedrohung, wettert er gegen Profitgier und Konzernmacht, hisst er die schwarze Fahne und ruft er zur Revolution auf. „Der Klassenkampf wird heute von den Superreichen gegen die Armen geführt. Wir sprechen eine Warnung aus, dass das Volk jederzeit einen Umsturz bewirken kann, wenn wir keine gerechtere Gesellschaft schaffen. In Deutschland war das letztes Jahrhundert schon zwei Mal der Fall. Dessen sollten sich gleichgültige, zynische Politiker bewusst sein. Unsere Musik fängt diese derzeitige Stimmung auf“, erklärt Alec. Besagte Stimmung wird wie gewohnt mit schrillen Schreien verstärkt. Die Musik basiert aber nicht mehr nur auf Breakbeats, verzerrten Bassdrums oder Metal-Gitarren, sondern enthält auch Zwischentöne. Sie erinnern an die „Helden“ von Bowie, Einstürzende Neubauten, The Fall oder Rage Against The Machine. „Es geht wieder um Songs“, sagt Alec.
Neuestes Mitglied von ATR ist MC Kidtronik, der den verstorbenen Carl Crack ersetzt. Im Mittelpunkt der Live-Performance steht nun Nic Endo, die schon Ende der Neunziger dabei war und den Part von Shouterin Hanin Elias übernimmt. Die sollte ursprünglich auch wieder mitmachen, doch das Thema scheint für Alec durch zu sein. „Sie wollte letztes Jahr in London ein Konzert mit uns spielen. Das war ihre Idee. Leider ergab sich zuvor bei den Aufnahmen für die kostenlose Download-Single ‚Activate‘, dass Elias das stimmlich gar nicht mehr packt. Wir wollten ihr bei der Show gesanglich den Rücken stärken, sie ist dann allerdings nicht erschienen.“ Scheinbar hatte sie es dann doch nicht nötig. Hanin Elias war nach einer fünfjährigen Auszeit in Polynesien nach Europa zurückgekehrt und wollte auf jeden Fall auch ihre Solokarriere fortsetzen. Was sie mit dem Album „Get It Back“ nun auch tut. Die Deutsch-Syrerin plädiert für Frauenpower, geht dabei aber nicht auf die Barrikaden. Sie wirkt insgesamt verführerischer und mehr moderater New Wave zugeneigt. Im Vergleich zu ATR ist das schon ein anderer Ansatz. Aber auch kein schlechter.

Text: Thomas Weiland

Foto: Nic Endo

Atari Teenage Riot spielen heute auf dem Melt! Festival in Gräfenhainichen.

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