Konzerte & Party

Atoms For Peace: AMOK

AMOKIn diesem Fall war das nicht anders. Für Atoms For Peace stehen ihm die Leute zur Seite, mit denen er die Songs seines Soloalbums „The Eraser“ live gespielt hat. Es sind der langjährige Weg­gefährte und Produzent Nigel Godrich, Bassist Flea von den Red Hot Chili Peppers, Perkussionist Mauro Refosco (David Byrne) und Schlagzeuger Joey Waronker. Mit so einer Besetzung ist vieles möglich. Man kann sich aber schon früh nicht des Eindrucks erwehren, dass es sich bei „AMOK“ (XL/Indigo) in erster Linie um einen Laptop-Dialog zwischen Yorke und Godrich handelt. Durch „Default“ ziehen sich Klicks und Cuts, die schon vor zehn Jahren inflationär durch die elektronische Musik geisterten. In „Unless“ werden Andeutungen von originärem Synth-Pop der Achtziger mit einem hektisch hoppelnden Beat gekoppelt, was den Sänger offenbar selbst irritiert. Er taumelt entschieden zu indifferent durch den Klangraum. 

Bald fragt man sich, was eigentlich die anderen angekündigten Musiker machen. Man wundert sich besonders über die Zurückhaltung von Flea, der am Bass wie kein anderer wühlen kann. Er spielt erst im sechsten Stück „Stuck Together Pieces“ eine tragende Rolle. Da endlich hat man das Gefühl, dass er mit Tieftönen alles von Grund auf aus den Angeln heben wolle. Flea orientiert sich erneut am stoischen Rhythmusgefühl des Afro-Beat, in den er sich schon mit der von Damon Albarn angeführten Gruppe Rocket Juice & The Moon vertieft hat. Das war ein voller Erfolg.

Hier dagegen wird man das Gefühl der Enttäuschung nicht los. Was auch daran liegt, dass Anführer Yorke die neue Konstellation nicht für eine Veränderung nutzen konnte. Er kommt mit seiner Stimme einfach nicht vom jaulenden Leiden und im Kopf nicht von der Dominanz übersteigerter Abstraktionen los. Seltsam. Auf „The King of Limbs“ wirkte er lockerer.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Zwiespältig (3/6)

Atoms For Peace, AMOK (XL/Indigo)

Mehr über Cookies erfahren