Konzerte & Party

„Aufbau West“ von Hagen Liebing

Mir blutet das Herz. Kanye West hat gerade mittels offenem Brief die Reichen dieser Welt von Larry Page (Google) bis Mark Zuckerberg (Facebook) angebettelt. Er sei pleite, heißt es. Neben dem Geld der Granden bittet der US-Rapper, dessen Vermögen derzeit auf schmale 130 Millionen Euro geschätzt wird, zudem auch um Gebete seiner Fans.
Wie kann man diesem armen Tropf von hier aus bloß helfen? Asyl scheidet ja eigentlich aus, er wäre lediglich Wirtschaftsflüchtling. Aber vielleicht lässt sich doch irgend ein Verfolgtenstatus wegen seelischer Grausamkeit herleiten? Schließlich macht sich jetzt alle Welt, selbst Oliver Pocher, über ihn lustig.
Und wenn man es genau betrachtet, ist doch sogar eine schwere Form religiöser Missachtung auszumachen. Vor zwei Jahren nämlich hatte der Mann, der sich in seinen Allmachtsphantasien auch gerne mal „Jeezus“ nennt, sein Publikum in Sidney dazu aufgefordert, sich zu erheben, sonst würde er nicht weiter spielen. Die überwiegende Mehrheit tat dies pflichtschuldig – bis auf zwei.
Jenen schlug eine Schimpfkanonade des Rappers entgegen: „Ich musste noch nie so lange warten, bis ich einen Song spielen durfte. Es ist unglaublich.“ Und sie standen immer noch nicht auf. Es waren ja Rollstuhlfahrer.
Sollten wir da nicht für Messias West, den solcherart respektlos Behandelten, Platz in unserer Mitte schaffen und vielleicht auch einfach noch den Mindestlohn senken, damit er nach einem Deutschkurs bei Bushido schnell wieder auf die Beine kommt?

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