Kommentar

„Aufs Maul!“ von Stefan Hochgesand

In der Komischen Oper bitten sie einen, während der Vorstellung nicht zu googeln, twittern oder SMSe zu verschicken

Stefan Hochgesand

Noch strenger sind sie bei den Berliner Philharmonikern, wo eine Stimme aus dem Off verkündet, man solle doch bitte, sofern irgend möglich, bloß nicht husten während des Konzerts. Wenn man das mal immer so kontrollieren könnte, ohne sich das Hirn mit Luftüberdruck wegzublasen! Aber der Ansatz ist ja richtig. Nicht bloß Klavier-
Legende Keith Jarrett steigt prompt von der Bühne, wenn ihm die Husterei zu dumm wird. Voll verständlich, andererseits auch witzig, wenn man bedenkt, dass Haydns Streichquartette zu dessen Lebzeiten aufgeführt wurden, während das Publikum lautstark Bier und Austern schlürfte.
In der Popmusik (im weitesten Sinne) ist uns das alles bisschen: egal. Immer wieder sieht man Leute, die ganze Konzerte mit ihren Fernsprechern „filmen“ und währenddessen nonstop labern.  Oft zischt dann jemand strafend.  (Danke an dieser Stelle!) Manchmal aber auch nicht. Ich habe während der letzten Wochen  gleich zwei ausverkaufte Konzerte in der Columbiahalle erleben dürfen: einmal Nicolas Jaar, dann Bonobo. In beiden Fällen vermeintlich „zahmer“ Electro.
Während beider Konzerte haben gefühlt 3.000 der 3.500 Menschen im Publikum das Bühnengeschehen nur als Hintergrundbeplätscherung genutzt und, statt jemals zuzuhören, der Quatscherei gefrönt. Ein ganz schöner Scheiß war das. Wo soll das noch hinführen? Zurück zu Haydns Austernschlürferei?

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