Konzerte & Party

Ausgemustert

Hagen LiebingHaben Sie das letztens mit den Billy-Regalen gelesen? Ikea ließ diese zu DDR-Zeiten teilweise von politischen Häftlingen fertigen. Ist schon ein starkes Stück: Diktatur-Möbel! Es kann also gut sein, dass demnächst ein Shitstorm über der weißen Ablage niedergeht. Boykottaufrufe und so …
Aber wer, bitteschön, braucht denn heute überhaupt noch solch ein Regal? Was sollen wir da reinstellen? Tonträger? Bücher? DVDs? Alles längst digitalisiert. Es gibt ja kein Privat­eigentum mehr, das es zu horten gilt, der Cloud-Kollektivismus befindet sich auf dem Siegeszug. Gerade zur rechten Zeit, möchte man meinen, denn die Mieten steigen ja eh ins Unermessliche, so manchen verschlägt es deshalb notgedrungen von der Mitte an den Stadtrand. Da ist es doch schön, dass solch ein Umzug heute leicht vonstatten geht: kein bürgerlich-sentimentaler Ballast ist mehr zu bewegen wie Bücher- oder Plattenkisten und sperrige Fotoalben. In der neuen Bleibe wird man folglich auch nicht viel mehr benötigen als eine Nasszelle, einen Kochplatz und ein Bett – und natürlich den ISDN-Anschluss als Grundversorgung.
Zehn Quadratmeter sollten dafür eigentlich genügen – das ist dann in etwa so viel, wie einem politischen Häftling einst zustand, um im Knast irgendwie leben und arbeiten zu können.

Foto: Harry Schnitger / tip

Sie wollen dem Autor Ihre Meinung sagen?
Bitte sehr: [email protected]

Lesen Sie hier weitere Kommentare von Hagen Liebing:

Statusfragen

Musik und Moneten

Überzeugungsarbeit

Imagetransfergeschäfte

Unterhaltungsprogramm schwarz-rot

Irgendwie Blasmusik

Legendbildung

Der Preis ist lau

Reclam rockt (nicht)

Schneckentempo

Theaterrocker

Künstlerpech

Legale Dilettanten

Mehr über Cookies erfahren