Konzerte & Party

The Avett Brothers im Lido

The Avett BrothersHeilfroh geben sich Scott (33) und Seth (28) Avett darüber, dass sie erst nach vier Studio­alben, zwei Liveplatten und diversen EPs über den Vertrag mit einem Major haben brüten müssen. „Wären wir jünger gewesen, wären wir genauso idiotisch mit dem Erfolg umgegangen, wie es die meisten anderen Bands tun.“ Nicht, dass die smarten, gut aussehenden Brüder aus North Carolina mit ihrem Dritten im Bunde, Bassist Dane Honeycutt, nicht zu feiern verstünden. Übers weite Land erprobt und mit einer treuen, fleißig erspielten Fangemeinde belohnt, werden ihre bodenständigen Konzerte auch als Happening gerühmt.
Aber es sind ihre ins Mark erschütternde Ernsthaftigkeit, ihre pastorale Zuversicht und ihr unerbittliches Erkennen von Widersprüchen, die sie von allen neuen Folkbands dieser Tage unterscheiden. „Ich bin von Dunkelheit umgeben, die in Licht gehüllt ist. Die, die das nicht erkennen, machen mir Angst.“ Worte wie diese sind nicht in trottelig fröhliche Fiddelseligkeiten oder ätherische Harfenpirouetten gebettet. Kein Geringerer als Produzent Rick Rubin hat den aufrichtigen, moralschwangeren Ton der Avett Brothers auf ihrem aktuellen Album und Majordebüt „I And Love And You“ zu einem feierlichen, energiegeladenen Sound verholfen, ihr lyrisches Gewicht mal mit dicken, mal mit zarten, gelegentlich auch explodierenden Sounds inszeniert, sie zu Ausbrüchen irgendwo zwischen Ben Folds und Violent Femmes animiert, die den bis dato ins­trumentell eher puristisch Agierenden ganz neue Konturen geben. Der beschaulichen Americana-Szene haben sie damit einen notwendigen Impuls verliehen, der Popmusik insgesamt eine neue Gewichtigkeit.

Text: Christine Heise

The Avett Brothers, Lido, Do 25.3., 21 Uhr, VVK: 14 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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