Konzerte & Party

Azealia Banks im Huxleys

Azealia Banks

Zuerst die schlechte Nachricht: Wie schon vor einem halben Jahr hat Azealia Banks ihre geplante Europa-Tournee aus „Termingründen“ kurzfristig abgesagt. Und hier die gute Nachricht: Berlin gehört neben London, Paris und Amsterdam zu den auserwählten Städten, denen Prinzessin Azealia im Herbst dennoch eine Audienz gewährt. Mit gerade mal 23 Jahren hat der inzwischen auch nicht mehr ganz so neue HipHop-Shootingstar und erklärte Lil’-Kim-Fan alle Charaktereigenschaften einer launischen Diva entwickelt: extravagante Bühnen-Outfits, erratisches Verhalten, ein öffentlich ausgetragener Streit mit ihrem ehemaligen Produzenten Diplo („Fuck Up The Fun“), bitch slaps über die sozialen Netzwerke gegen jede/n, der/die nicht schnell genug aus der Reichweite der digital nativen Azealia kommt. Und dann ist da natürlich noch die leidige Geschichte mit „Broke With Expensive Taste“.
Spötter nennen ihr seit zwei Jahren angekündigtes Debüt inzwischen das „Chinese Democracy des HipHop“. Eine Trackliste kursierte früh im Internet, zwischendurch drohte Azealia mehrfach, das Album illegal zu leaken, dazu erschwerten Streitigkeiten mit der Plattenfirma die Veröffentlichung. Die neueste Entwicklung könnte wieder etwas Bewegung in die verfahrene Situation bringen: Azealia wurde kürzlich von Universal gefeuert, damit dürfte Yung Rapunxel (so ihr Twitter-Name) aktuell die heißeste Künstlerin ohne Plattenvertrag sein. Erstes Lebenszeichen war der minimalistische Bounce-Track „Heavy Metal And Reflective“, eine Rückkehr zu alter Form.
Azealia BanksSelbst treueste Fans reagieren inzwischen auf jede Regung aus dem Paralleluniversum Azealia Banks mit einer Mischung aus mildem Amüsement und Kopfschütteln. Der Bonus, den sie sich vor drei Jahren mit ihrem YouTube-Hit „212“ inklusive tollem Schwarz-Weiß-Tanzvideo im Mickey-Mouse-Sweater redlich verdient hat, ist inzwischen aufgebraucht. Aber wie konnte es passieren, dass eine der hoffnungsvollsten und fraglos talentiertesten HipHop-Künstlerinnen unserer Zeit nach nur zwei Jahren bereits dermaßen in der Bringschuld steht? Azealia Banks ist mit ihrer großen Klappe und ihrer Fuck-you-Haltung gegenüber der Musikindustrie kein Einzelfall. Iggy Azalea und Angel Haze hatten mit ihren Plattenfirmen ähnliche Probleme – letztere stellte ihre Musik jahrelang sogar kostenlos ins Netz. Dort wurde auch „212“ bis heute über 60 Millionen Mal angeklickt. Azealia Banks Ruhm begründet sich – rein wirtschaftlich gesprochen – auf ihrem sozialen Kapital. Kein Wunder, dass die neue Generation von Rapperinnen sich ihre Karrieren nicht mehr von alten Männern in der Chefetage eines Musikkonzerns diktieren lassen möchten.
Inzwischen ist Azealia allerdings von der Konkurrenz abgehängt worden, sie ist das last girl standing: in den Medien weiterhin omnipräsent, aber immer noch ohne Album. Die Gefahr besteht, dass man sie bald allzu leicht mit Tausenden anderen YouTube-Acts verwechseln könnte, die nicht mit ihren Talenten gesegnet sind. In der Zwischenzeit hat Azealia Banks eine kleine Imagekorrektur angekündigt. „Broke With Expensive Taste“ soll erwachsener, reifer klingen. Sie will nicht mehr als Rotzgöre wahrgenommen werden, sondern als echte Lady. Was  verdammt schade ist, ihren wilden Stakkato-Flow möchten wir vorerst noch nicht (wie im Fall Angel Haze) von einer gefälligen R’n’B-Produktion gebändigt wissen.

Text: Andreas Busche

Fotos: Brooke Nipar

Azealia Banks, Huxleys Neue Welt, Hasenheide 107, Neukölln, Fr 26.9., 20 Uhr, ?VVK: 30 Euro zzgl. Gebühr

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