Konzerte & Party

Balbina: Über das Grübeln

Balbina: Über das GrübelnZum einen treibt er mit seiner Spieluhr-Musik den märchenhaften, kinderlied-ähnlichen Grundvibe der Platte auf die Spitze. Zum anderen thematisiert er, dass Balbina die wirklich originellen und eigenwilligen Songs bereits auf ihrer „Nichtstun“-EP verballert hat. „Sitze am Zeitfenster so verändert. Der Körper ein schwerer Mantel, bin zu jung zum Altern“, hieß es damals im Track „Wecker“. So reflektiert die Strophe, so unschuldig-naiv mutete der dazugehörige Refrain an: „Oh nein, der Wecker war zu leise und jetzt hab ich leider Jahre verschlafen“. Dieses Spannungsfeld zwischen kindlich und erwachsen zeichnet Balbinas Texte zwar noch immer aus und auch ihren spielerischen Umgang mit der deutschen Sprache hat sie nicht verloren („Ich zerbrech mir echt den Kopf, er geht kaputt wie ein Blumentopf, der vom Balkon fällt“). Dennoch muten die neuen Lyrics wie eine Kopie an und werden mit jeder Nummer blasser. Dazu kommt, dass Balbinas opernhafte, dunkle Vocals – zweifelsfrei ihr Markenzeichen – von der wattigen Umgebung oft zu sehr absorbiert werden. Im Track „Langsam Langsamer“ verschmilzt ihre Stimme fast vollständig mit der weichen, synthetischen und aalglatten Deutsch-Pop-Kulisse. Balbinas durchaus reflektierte Abhandlungen über die Leiden unserer Gesellschaft (Schnelllebigkeit, Reizüberflutung, Prokrastination) verlieren dadurch an Gewicht und Bedeutung. Wesentlich besser funktionieren da die HipHop- und R’n’B-affinen Stücke, Features mit den Rappern Maeckes und Justus Jonas. Sie sind schneller und akzentuierter arrangiert, was Balbinas charakterstarke Stimme zum Glänzen bringt. Alles in allem wirkt das Debüt der Berliner Sängerin jedoch übereilt. So, als habe ihr die Plattenfirma nicht genug Zeit zum Grübeln gelassen.

Text: Henrike Möller

Balbina: Über das Grübeln (Four Music)

Mehr über Cookies erfahren