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Festival Baltikum

Baltische Orgelnacht: Gespräch mit der Organistin Iveta Apkalna

Lob der Zungen­register: Organistin Iveta Apkalna über die Baltische Orgelnacht, tanzende Organisten und warum ihre Schuhe ins Hand­gepäck müssen

Foto: Nils Vilnis

tip Frau Apkalna, Sie leben als Organistin in Berlin. Wie ist die Orgel des Konzerthauses – im Vergleich zu derjenigen der Philharmonie?
Iveta Apkalna Der Unterschied ist groß, und so soll es sein. Die Orgel in der Philharmonie hat ein etwas größeres Spektrum, weshalb man sich mehr erlauben kann. Die Orgel des Konzerthauses liebe ich, weil ihr Klang ausnehmend farbig ist, mit sehr schönen Zungenregistern. Ein intelligentes, elegantes Instrument. Privat gesprochen: Sie ist mir näher.
Für jedes Konzert müssen Sie sich vorher am Instrument einregistrieren. Wie lange dauert das?

tip Für ein Konzert von 70 Minuten brauche ich etwa 8 Stunden, um die Register auszuwählen und auszuprobieren. Da das Haus ausgebucht ist, findet das meist nachts statt. Bei Tourneen reise ich mehrere Tage früher an. Sogar Monate im Voraus, wenn die Zeit zwischendurch knapp ist. Das machen alle Organisten. Das macht kein Cellist.

tip Sie spielen nie auf der Orgelempore, sondern immer vom Podium aus. Warum?
Es ist mir wichtig, um wirklich gut hören zu können. Säße ich oben, könnte ich mir nur vorstellen, wie es klingen mag. Falls ich mit Orchester spiele, ist es außerdem wichtig, direkt neben dem Dirigenten und dem Konzertmeister zu sein. Ich höre sie atmen, das tut mir gut. Der Grund, weshalb viele Organisten nicht auf der Bühne spielen, liegt an der Zeitverzögerung, mit welcher der Klang am Ohr ankommt.

tip Klingt unangenehm.
Nur am Anfang! Dann wird es pure Ekstase. Übrigens haben ja auch Instrumente ihre eigene Seele. Da bin ich durchaus esoterisch.

tip Bei der Baltischen Orgelnacht spielen Sie Kompositionen wie Jazeps Vıtols, Eriks Ešenvalds, Bronius Kutavičius und Aivars Kalejs. Ich kenne nur Arvo Pärt!
Das macht nichts, ich suche ja auch nach diesen Schätzen. Einige Komponisten haben mir Stücke gewidmet. Einige habe ich zur Orgel bekehrt. Baltische Orgelmusik hat viel mit Landschaft zu tun. Die Horizonte sind weit, Augen und Ohren können sich entspannen. Es geht um Mitsommerlicht und die vielen, verschiedenen Blaus des Meeres. Bei uns kann man im Sommer nachts am Strand ein Buch lesen.

tip Warum komponieren alle baltischen Komponisten tonal?
Von diesem Klischee versuchen wir wegzukommen. Allerdings vergebens. Das Harmonische sitzt tief in uns, und das hängt womöglich damit zusammen, dass man bei uns erst singen und dann sprechen lernt. Bei meiner Tochter war das auch so. Bei meinem Sohn nicht mehr.

tip Sie spielen nicht allein mit den Händen, sondern auch mit den Füßen. Sind Organisten gute Tänzer?
Es würde helfen, glaube ich. Ich kenne viele, die tatsächlich gute Tänzer sind. Aber nicht alle. Ich habe viele Jahre sogar an Tanzwettbewerben teilgenommen. Aber ich habe, wenn ich so darüber nachdenke, noch nie im Leben mit einem Organisten getanzt. Insofern: Bitte melden!

tip Sie müssen absagen, wenn Sie Ihre Ziegenleder-Schuhe vergessen haben. Ist das noch nie passiert?
Nein, denn die Schuhe kommen ins Handgepäck. Straßenschuhe dagegen funktionieren nicht, denn die Sohlen müssen elastisch sein. Ich bin froh, dass ich, wenn schon kein Instrument, so doch zumindest etwas auf Reisen mitnehmen muss. Darin besteht der Hauptunterschied zum Urlaub. Kein Schuh in der Handtasche, das ist symbolisch.

Konzerthaus Sa 17.2., 22 Uhr; Karten 25 €

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