Konzerte & Party

Baroness im Festsaal Kreuzberg

BaronessAuf die momentan noch etwas unbestimmten „Nullerjahre“ wird man vielleicht mal zurück­schauen – und bei Bands wie Baroness hängen bleiben. Zum einen legen die Hardro­cker aus Georgia für ihre verhältnismäßig junge Vita erfrischende Eigenheit an den Tag. Zudem lässt sich an dem Quartett um John Dyer Baizley die zeittypische Auflösung von Lagerzugehörigkeiten und Genregrenzen beobachten. „Wenn ich mir Musik anhöre, ist es nicht nur Metal oder Punkrock oder Hard­core – sondern alles“, sagt der Frontmann, dessen vollkehliger, ruppiger Gesang an Hardcore-Pioniere wie Fugazi oder Henry Rollins denken lässt. In der Tat entziehen sich Baroness auf ihrem aktuellen zweiten Album „The Blue Record“ einfacher Zuordnung. Mitunter reiten die Songs mit dem Tiefendruck von Black Sabbath ein, und wenn sich das Gitarrendoppel Baizley und Peter Adams geölte Speedmetal-Duelle liefert, verrät das eine Übungsdisziplin alter Schule. Die imposanten Headbanger-Kniffe aber tauchen bald wieder ein in den flutenden Klangstrom.
Hauptantrieb von Baroness scheint reine Spielfreude zu sein. Es passt also, dass die Band, die in einem Nest namens Lexington aufwuchs, für „The Blue Record“ Indie-Produzent John Congleton buchte. Dessen Klientenkartei, angefüllt mit subtilen Dramatikern wie Explosions In The Sky, The Roots oder Antony And The Johnsons, war den Hardrockern sympathisch. Das Ergebnis ist nun auch von einer fast lässigen Offenheit geprägt; gleichzeitig klingt das Album enorm heavy. Daran ändert sich auch nichts, wenn mitten in der Klangwucht ein Song wie „Steel That Sleeps The Eye“ Platz hat: eine Akus­tikballade mit milden Hippie-Chören. Bei Baroness wirkt der plötzliche Stimmungswechsel so ungezwungen wie der nächs­te Riffhagel bloß ein paar Takte später.

Text: Ulrike Rechel

Foto: GL.Johnson

Baroness + Scott Kelly, Festsaal Kreuzberg, Do 28.1., 21 Uhr, VVK: 15,20 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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