Konzerte & Party

Beach House: Depression Cherry

Beach House: Depression CherryDer Nachfolger „Bloom“ packte es 2012 sogar auf Platz 7 der US-Charts. „Return to simplicity“ war die Ansage des sympathischen Duos aus Baltimore für die neue Platte im kirschroten Samtcover. Schnell ruderten sie aber zurück. Denn von simpel kann tatsächlich nicht die Rede sein. Zwar arbeiten die Hypnosekünstler, nach gutem Strandhaus-Rezept, mit Orgel-Minimalismus und reduzieren im Vergleich zum Vorgänger die Drums. Sie rocken kaum noch, klingen dabei aber umso artistischer. Die Beats wirken bewusster gebaut. Vor allem lösen sich Beach House immer öfter von Pop-Konventionen wie Strophe und Refrain. Unverwechselbar: Victoria Legrands grandios geloopte Stimme – absolut androgyn, aber gleichwohl mit klaren Höhen. Und repetitierende Orgelintervalle. Der Opener „Levitation“ startet noch mit luftigen Synthie-Streichern, türmt sich, wie oft bei Beach House, wie ein Klanggebirge auf. Es folgt direkt die spannendste Nummer, „Sparks“, die einem deutlich mehr abverlangt: psychedelische Chöre unterlegen verzerrte Gitarren und harmonisch verschobene Orgel-Riffs. „Space Song“ mit dominantem Synthie-Bass und futuristischem Blubbern klingt nach cleanem Weltraum-Plastik. „Beyond Love“ beginnt mit Lyrics, die den Namen verdienen: „The first thing that I do / Before I get into your house / I’m gonna tear off all the petals / from the rose that’s in your mouth“. Viele Songs sind existentielle Trips zu zweit. Die Song-Ideen entstehen auf Keyboards, in einem alten Lagerhaus mit Holzboden. Das Etikett „Dream Pop“ haftet dem Duo nach wie vor an. Sie schmettern dann gerne zurück: „Wir sind eine laute Band!“ Das unterstreicht die Platte zwar nicht, dafür aber, dass sich Beach House immer die Freiheit nehmen zu kontern. Sogar gegen den eigenen Kommerz-Erfolg.

Text: Stefan Hochgesand

Beach House, Depressiin Cherry (Pias Coop/Bella Union)

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