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Beady Eye: „Different Gear, Still Speeding“

Beady-EyeKennt noch jemand The House Of Love? Die brillierten vor zwanzig Jahren mit dem Song „Beatles And The Stones“. Das Gute daran war, dass man den Einfluss der beiden Bands nicht wirklich heraushören konnte. Es ging um die Schönheit von Pop an sich. Jetzt haben Beady Eye ein Stück namens „Beatles And Stones“ geschrieben und schon entdeckt man Spuren, die auf Mick und Macca hinweisen. Das ist das Problem von Liam Gallagher: Er ist nicht in der Lage, die Dinge anders zu meinen, als er sie sagt. Gewohnt arrogant nimmt er Stellung und krakeelt: „I just wanna rock’n’roll, I’m going to stand the test of time, like Beatles and Stones.“ Ob er wirklich ein Rezept gefunden hat, das auf Dauer funktioniert, muss man angesichts der Qualität von „Different Gear, Still Speeding“ (Beady Eye Reords/Indigo) allerdings bezweifeln. Dafür hätte es dann doch eines neuen Reizes bedurft, auf den man hier vergeblich wartet.

Man kommt sich vor wie in einer Geschichtsstunde. „Four Letter Word“? Led Zeppelin. „For Anyone“? The La’s. „Bring The Light“? Jerry Lee Lewis. „Standing On The Edge Of Noise“? Eindeutig „Get Back“. „Three Ring Circus“? Free. Dieses Album leistet beim Gesellschaftsspiel „Heiteres Rock-Zitat-Raten“ richtig gute Dienste, ähnlich wie schon das letzte Oasis-Album „Dig Out Your Soul“.

Das ist auch kein Wunder, denn Beady Eye decken­ sich personell ja mit der letzten Be­setzung der Britpop-Protagonisten, abzüglich Noel Gallagher natürlich. Der ältere der Gebrüder Grimm hatte in den letzten Jahren auch nicht gerade Glanzmomente, aber trotzdem vermisst man ihn hier. Liam war als Songschreiber eben doch nur ein Azubi und Gem Archer und Andy Bell, na ja, die spielten früher in Heavy Stereo und Hurricane #1. Liam wäre besser beraten gewesen, wenn er sich von diesen­ Leuten verabschiedet und einen echten Neuanfang gestartet hätte. Denn als Sänger ist er ohne Frage eine Wucht.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Zwiespältig

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