Konzerte & Party

Beardymann im Gretchen

Beardyman

Früher war bei HipHop-Konzerten immer jemand dabei, der Rhythmen und Geräusche mit Mund, Lippen, Zunge und Stimmbändern erzeugte. Diese Person nannte sich Human Beatbox und erhielt in den Achtzigern und frühen Neunzigern für ihre Skills viel Applaus. Sie stammen aus einer Zeit, als auf der Bühne und im Studio alles manuell und nicht wie heute üblich maschinell ablief.
Heute sind Beatboxer eine Rarität, aber einen Vertreter muss man trotzdem hervorheben: Darren Foreman alias Beardyman hat 2006 und 2007 die britischen Beatbox-Meisterschaften gewonnen. Es gibt herrlich komische Videos von ihm, in denen er Geräusche aus der Küche, Bücherei oder einem Supermarkt nachahmt.
Auf seinem Debüt mit dem grammatikalisch völlig falschen Namen „I Done a Album“ stellt der Londoner unter anderem einen Sound namens „Vampire Skank“ vor, in dem Bestandteile aus Dubstep, Polka und Ska zusammenfinden. Einen ausprägten Hang zu Witz und Originalität kann man ihm nicht absprechen, aber mit dem dieser Tage erscheinenden Nachfolger „Distractions“ zeigt er, dass er nicht nur Nachschub für das Kabinett der Kuriositäten produzieren kann: Er bietet richtige Songs an, die einen seriösen Eindruck machen und stilistisch in Richtung Indie-Rock, Northern Soul, Electro-Funk oder Chillout-Pop gehen. Der Mann entwickelt sich.

Text: Thomas Weiland

Foto: Juan Ortiz at Box Studios, Shoreditch

Beardyman, Gretchen, Obentrautstraße 19-21, Kreuzberg, ?Mi 10.12., 21 Uhr, VVK: 20 Euro zzgl. Gebühr

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