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Beck: Morning Phase

Beck, Morning PhaseEines der einprägsamsten Trennungsalben der Nullerjahre stammt von Beck: Auf „Seachange“ war die ironische Zitierlust des Kaliforniers verschwunden, um einer entspannten Erschöpfung Platz zu machen.
Bei seinem ersten Album seit sechs Jahren heißt es zwar nun, die Platte sei eine Art Zwilling von „Seachange“, doch Beziehungsarbeit wird bei „Morning Phase“ nicht geleistet. Immerhin muss der Mann aus L.A. eine lange Phase der Depression durchlebt haben, ausgelöst durch eine Wirbelsäulenverletzung, die ihn in den letzten Jahren lahmlegte und es auch unmöglich machte, Gitarre zu spielen. Der Atem der neuen Songs ist durchgängig langsam, die weiche Stimmung spiegelt förmlich das Gefühl wider, langsam auf die Beine zu kommen – darin ähneln sich die beiden postdepressiven Platten. Oft steigen die Songs mit ein paar puren Takten auf der Akustikgitarre ein, teils machen warme Streicher den Anfang – wie schon vor zwölf Jahren von Becks Vater David Richard Campbell arrangiert. Im Intro etwa schichten sich ruhig gestrichene Saiten zur vollen Dur-Harmonie auf und setzen die tröstlich-umhüllende Grundstimmung des Albums.
Die reduzierte Palette verleiht „Morning Phase“ einen intimen, nahbaren Charakter. Ihre Langsamkeit in Verbindung mit dichten Vokalharmonien aus Becks Kehle bringt etwas glorios Entrücktes ins Spiel. „Turn Away“ etwa schimmert mit schlichter Folkinstrumentierung und goldenen Chören ähnlich wie der Westcoastfolk der Byrds, „Blackbird Chain“ beginnt als Country-Singalong, um sich in ein orchestrales, von Slide-Gitarre veredeltes Dreamfolk-Epos zu steigern. „Wave“ ist ein wundersames Kammerspiel zwischen Becks mantrischer Gesangsmelodie und schweren Streicherklängen. Man denkt an die halbwache Atmosphäre von PJ Harveys „White Chalk“. Ähnlich einnehmend hält Beck den Verlauf von Licht und Schatten in der Schwebe.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert

Beck, Morning Phase (Caroline / Capitol)

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