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Beim „Rock at Sage“ werden international gültige Gesten gepflegt

Rock At SageEine 50-Meter-Schlange steht vor dem Sage Club in der Köpenicker Straße. 50 Meter aufgeregtes Gebrabbel, 50 Meter Rockmusikfans. Ein Mann mit kleiner Kamera filmt die Wartenden und damit auch den Träger des „Fuck on the first date“-T-Shirts. Es ist erst zehn Uhr an einem Donnerstagabend. Und im Club ist es jetzt schon voll. Donnerstags ist „R­ock at Sage“-Tag. Eine Institution in Sachen Rockparty. Vielleicht sagt man aber auch besser Indie- oder Alternative-Party. Denn mit älteren Herren in Motor­radkutte hat das hier nichts zu tun. Das Publikum ist auffällig gemischt. Mädchen in Pumps, deren Vorbild die Sängerin der Band The Gossip sein könnte, tanzen an Stangen auf einem kleinen be­leuch­teten Podest, Männer mit sorgfältig gelegten langen blonden Locken laufen mit stolzstarrem Hals durch die Räume, und auch ein paar Nietengürtel und kajalgefärbte Augen kommen einem entgegen.
„Ich würde nicht sagen, dass wir ein typisches Rockpublikum haben“, sagt Christian von Manteuffel, „aber ich weiß auch nicht, ob es das überhaupt noch gibt.“ Manteuffel ist seit sechs Jahren im Team des Clubs und kümmert sich um das Booking und „was sonst so anfällt“ am Donnerstag.
Ende November wird das Sage zwölf Jahre alt. Vor drei Jahren hat Manteuffel angefangen, einmal die Woche zwei Rockbands nacheinander auftreten zu lassen. Seitdem hat sich die Partyreihe zu einer der beliebtesten für Gitarrenmusikfans entwickelt. Vor allem für junge Bands ist es attraktiv, in einem Club aufzutreten, der fast immer gefüllt ist. Früher kamen die Musiker meist aus Berlin, inzwischen werden sie auch schon mal aus Norwegen oder den USA eingeflogen. Death by April haben hier gespielt oder die New York Dolls.
Rock At SageDas Sage ist einer der größeren Clubs der Stadt. Es gibt einen Keller, Separйe genannt, der ein wenig an eine nachempfundene Tropfsteinhöhle aus einer Geisterbahn erinnert. Der Dj trägt ein T-Shirt, auf dem „Rebell“ steht und die Leute auf der kleinen Tanzfläche quietschen zu „Billy Jean„. Eine Etage höher speit ein Metalldrache Feuer über den „Dragonfloor„. Die Tänzer tragen hier eher schwarz. Gerade läuft Sepultura, und eine Frau mit langen dunklen Haaren sitzt auf einer Schaukel, die an langen Metallketten von der Decke abgelassen ist. Eine Neuinstallation von den KitKat-Betreibern, die die Räume des Sage vor etwa zwei Jahren übernommen haben und nun, wenn hier nicht gerade „Rock at Sage“ ist, ihre Erotikpartys stattfinden lassen. Auch in der „Mainhall“, wo die Bands spielen und am späteren Abend Tänzer die Bühne erstürmen, wenn die Beatsteaks-DJs Seeed oder The Kooks spielen, wurde die Einrichtung erweitert. Ein Metallbett steht in der Ecke, und die Wände über den mit abwaschbarem Material bezogenen Podesten zieren Bilder von großbrüstigen Frauen und Männern mit erigierten Penissen. Die Aufmerksamkeit der Tänzer allerdings ist voll auf die Band gerichtet, deren tätowierter Sänger mit gespreizten Zeige- und kleinem Finger, die üblichen Rockcodes vor­führt. Mit süßlicher Popstimme singt er zu krachenden Sounds.
Rockpartys sehen ja meist überall gleich aus, egal ob in New York, Göttingen oder Berlin. Die Gesten, die T-Shirt-Sprüche, die Tanzbewegungen und auch die Frisuren ähneln sich. Anders als die Berliner Elektroszene sind die Rockanhänger nicht so aufgeregt stilprägend, und auch das macht das „Rock at Sage“ sehr angenehm.
Die DJs hier heißen Steve the Machine oder Sören. Man kennt sich. Auch unter den Gästen gibt es welche, die jede Woche kommen. „Es funktioniert bei uns anders als auf Elektropartys, wo die Leute wegen eines Ladens kommen, egal welche Musik läuft. Hier wissen sie, was sie erwartet, und wir machen da keine Experimente“, sagt der Booker.
Gegen drei Uhr hat es sich nur etwas geleert, die Schüler müssen wahrscheinlich morgen früh raus. Der Rest schüttelt noch immer
das lange oder kurze Haar. Im Schwarzlicht sieht man die Fusseln auf den dunklen Hemden, ein Mädchen hat sich die kleine Handtasche fest um den Oberkörper geknotet, und ein Mann in „Hey Ho Let’s Go“-Shirt tanzt unrhythmisch zu den White Stripes.

Text: Laura Ewert

Fotos: www.sage-club.de

Rock at Sage jeden Donnerstag, bis 22 Uhr Eintritt frei, danach 6 Euro.

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