Konzerte & Party

Beirut in der Columbiahalle

Beirut

Als Zach Condon 2006 sein Debüt vorlegte, lief alles wie im Zeitraffer. Zarte 19 war der Songwriter aus Santa Fe damals, als er mit Beirut einen stattlichen Hype auslöste. „Gulag Orkestar“ klang so, als tauchte er in einen üppig orchestrierten Tagtraum, in dem sich osteuropäische Festmusik mit anderen Elementen tatsächlich erlebter oder imaginärer Tripps in die alte Welt mischten. Inzwischen ist der Jungspunt von einst bald 30. Zuletzt hatte er 2011 mit dem Album „The Rip Tide“ selbst Skeptiker beeindruckt, so klar erkennbar war die Entwicklung von jugendlicher Romantik hin zu einem verfeinerten Songwriter-Ton.
Irgend etwas muss danach aber schief gelaufen sein. Vier Jahre lang fast pausenlos auf Tour führten Ende 2013 zu einem harten Stopp, und der Bandkopf ließ sich in Australien aufgrund von Erschöpfung in eine Klinik einweisen, eine Phase, die zudem von seiner Scheidung und einer Schreibblockade belastet wurde.
Dem jüngsten Album „No No No“ hört man die dunkle Zeit nicht an. Im Gegenteil: Mit derart luftigem Gepäck hätte man sich einen Schwelger wie ihn wohl kaum je vorgestellt. Fast 90 Prozent der bündigen Platte, so erzählte er, seien nur mit Klavier, Schlagzeug und Bass entstanden. Ab und zu wehen auch ein paar Bläser durchs beschauliche Bild. Insgesamt herrscht eine neue musikalische Leichtigkeit, hinter der aber vermutlich vor allem Erleichterung darüber steckt, das tiefe Tal überwunden zu haben.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Drew Reynolds

Beirut, Columbiahalle, Tempelhofer Damm 13-21, Tempelhof, So 20.9., ?20 Uhr, ausverkauft

Mehr über Cookies erfahren