Konzerte & Party

Benjamin Biolay im Postbahnhof

ClaudeGassianAls in Frankreich kürzlich die Kandidaten für den renommierten Victoires-Musikpreis bekannt gegeben wurden, fehlte Benjamin Biolay nicht auf der Liste. Schon 2010 hatte der Songschreiber mit dem unverkennbar halbwachen Gesangsstil die Trophäe bekommen für sein opulentes Album „La Superbe“. Als Popstar aber geht der Mann trotz seines Erfolgs nicht recht durch. Dafür wirkt er zu unberechenbar. Seine Laufbahn ist keine direkte Route in Richtung Massenliebling. Eher spät, mit Ende zwanzig, startete er seine Solokarriere. Bis dahin hatte sich der studierte klassische Musiker einen brillanten Ruf als innovativer Klangschmied im Hintergrund von Chanson-Ikonen wie Juliette Grйco oder Henri Salvador erarbeitet sowie von neuen Stars wie Keren Ann.

Für seine eigenen Alben aber sträubt sich der Kettenraucher und Soundperfektionist gegen die Zuordnung ins Chanson-Fach, zu eng sind solche Schubladen für einen Spieler wie ihn, der sein Spektrum mit jedem Album variiert: von seiner anfangs noch reduzierten Lesart über Sixties-Arrangements bis hin zum Glamrock und den Synthpop-Dramen des Albums „La Superbe“. Auf „Vengeance“ geht die Metamorphose nun lustvoll weiter. Die Wave-Prägung des 40-Jährigen klingt an, woanders verbindet sich seine weiche Sprachmelodie schlüssig mit den grimmigen Reimen von Rapper Orelsan. In der Wahl seiner Gäste besaß Biolay schon immer Gespür: Als zweite Auskopplung kann man mit „Profite“ zurzeit sein knisterndes Duett mit Vanessa Paradis hören.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Claude Gassian

Benjamin Biolay Postbahnhof, So 24.2., 20 Uhr, VVK: 26 Ђ zzgl. Gebühr

 

Porträt Benjamin Biolay

Albumkritik „La Superbe“

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