Konzerte & Party

Benjamin Biolay: „La Superbe“

Benjamin Biolay: Wie man weiß, kann das mit französischen Musikern und schauspielernden Musen durch­aus böse enden. Von daher musste man Schlimmstes befürchten, als die Nachricht durchsickerte, dass Benjamin Biolay und Chiara Mastroianni geschiedene Leute sind. Das Verhältnis zwischen beiden war ja nie ein rein privates, es strahlte auch auf die künstlerische Sphäre aus, etwa auf das gemeinsame Album „Home„. Solche Erfahrungen machten die Trennung gewiss nicht leicht, Biolay hat jetzt noch einiges zu aufzuarbeiten. Man merkt, wie in ihm die kreative Energie arbeitet. 22 Stücke befinden sich auf der Doppel-CD „La Superbe“, und alle stehen unter dem Eindruck des Wechselbads der Gefühle. Biolay ist sehr mitteilungsbedürftig, das Zwiegespräch mit Jeanne Cherhal in „Brandt Rhapsody“ entwickelt sich zu einer halben Kurzgeschichte und erinnert von der Stimmung her an die Beziehungsdramen von François Truffaut. Zwischen „Tu est mon amour“ und „Miss Catastrophe“ ist alles möglich. Wie heißt es an einer Stelle so schön? „Reviens ma pute, ma sainte, ma liqueur, mon absinthe, mon вme sњur, mon вme sainte.“ Der Schritt von der Hure zur Heiligen ist hier nur ein ganz kleiner.
Der 36-Jährige ist zum einen typischer Chansonnier, der mit verrauchter Flüsterstimme hoch­romantisch sinniert. Er kommt aber auch dem großen Serge Gainsbourg am nächsten, weil er sich nicht nur auf Einflüsse aus der Heimat versteift. „La Superbe“ geht in dieser Hinsicht besonders ins Extrem, es ist Biolays „Weißes Album„. In „Padam“ treibt der Groove und tendiert der Sprechgesang in Richtung HipHop. „La toxi­co­­manie“ ist eine melancho­lische Jazznummer. „L’espoir fait vivre“ hat wegen der beschwingten New-Order-Referenzen auf jeder Britpop-Party Chancen. In „Buenos Aires“ begegnen uns das Aufbegehren des Punk und ein Sample mit der Stimme des großen Tangosängers Carlos Gardel. Ganz offensichtlich kann sich Biolay ohne Gattin künstlerisch entwickeln, ja zu neuen Höhenflügen ansetzen. Tröstlich.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Benjamin Biolay, La Superbe (Naпve/Indigo)

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