Konzerte & Party

Das Berlin Festival 2012

berlin-festival-2011_c_GeertSchaeferVor ein paar Wochen war Conny Opper auf dem Greenville Festival, draußen vor den Toren der Stadt. Da fühlte er sich sofort an alte Zeiten erinnert, denn er kennt das Gelände des MAFZ Erlebnisparks im brandenburgischen Paaren im Glien nur zu gut. In den Jahren 2005 und 2006 war er dort Veranstalter der ersten zwei Ausgaben des Berlin Festivals und entsprechend unter Stress. Dieses Jahr konnte er die Angelegenheit entspannter sehen. So entspannt, dass er beim abschließenden Auftritt von Iggy Pop & The Stooges mit anderen Fans auf die Bühne ging und so richtig abrockte. Jetzt wird es für ihn aber wieder ernst. Sein Berlin Festival gibt es immer noch, aber unter anderen Grundvoraussetzungen. Opper trägt jetzt nicht mehr die alleinige Verantwortung für das Großereignis, das zum vierten Mal am ehemaligen Flughafen Tempelhof stattfindet. Seine Rolle ist die eines kreativen Gestalters, der sich um das Grundgefühl kümmert. Anders als früher ist er heute Teil eines größeren Teams. Als Geschäftsführer fungieren Melvin Benn vom britischen Veranstalter Festival Republic (u. a. Glastonbury) und Matthias Hörstmann vom Melt! Festival. Das Zusammenspiel klappt inzwischen so gut, dass man in diesem Jahr die größte Band verpflichten konnte, die je auf dem Spielplan des Berlin Festivals stand. „Wir sind total happy darüber, dass wir The Killers und ihren Album-Launch exklusiv deutschlandweit präsentieren können. Das ist eine Riesensache. Profitiert haben wir dabei ohne Frage durch den Einfluss eines Melvin Benn, der einfach über die Netzwerke verfügt, mit denen sich so eine Band buchen lässt“, weiß Opper.

the_killerWas genau sich The Killers ausgedacht haben, war zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Ausgabe nicht zu erfahren. Die zuständige Plattenfirma will die Spannung, so weit es geht, hochkochen lassen und hält das Album bis kurz vor Veröffentlichung unter Verschluss, nicht zuletzt auch aus Gründen der Vermeidung von Internet-Lecks. Man darf aber davon ausgehen, dass diese nicht für ihre Zurückhaltung bekannte Band wieder mal nicht kleckern, sondern klotzen wird. Dafür spricht auch der Albumtitel „Battle Born“, der sich auf den Namen eines Aufnahmestudios in Winchester, Nevada, bezieht, das der Band gehört. Sänger Brandon Flowers erklärte den Titel gegenüber dem „NME“ darüber hinaus so: „In gewissem Sinne sind alle Amerikaner zum Kämpfen geboren. Unsere Ahnen sind hierhergekommen, um etwas Besseres vorzufinden.“ Eine von New Wave und elektronischem Pop der Achtziger sozialisierte Band spielt die patriotische Partitur? Warten wir es ab.

Opper sieht sich jedenfalls gerüstet und versichert, dass die Headliner aus Las Vegas genau die Anlage vorfinden werden, die sie für ihren bombastischen Rausch brauchen. Im letzten Jahr hat es auf dem Berlin Festival in dieser Hinsicht ja leider Probleme gegeben. Der Auftritt von Santigold musste abgebrochen werden, weil der Sound nicht stimmte. Jan Delay war nicht mit dem Klang auf der Bühne zufrieden und auch sonst hörte sich vieles schwachbrüstig und basslos an. Opper ist sich des Problems bewusst: „Grundsätzlich ist der Tempelhofer Flughafen kein einfacher Veranstaltungsort, man hat da soundtechnisch allein schon wegen der Betonarchitektur erschwerte Bedingungen. Durch Abhängungen mit Tüchern haben wir in den Hangars zum Beispiel Schallreflexionen verhindern können. Wir werden da aber noch einmal Verbesserungen vornehmen. Wir wollen den Bands und den Fans natürlich den fettesten Sound bieten. Tempelhof stellt uns vor Herausforderungen, die man meistern muss und die wir meistern werden.“ 

Django_Django_c_Mikael_GregorskyZu einem Festival gehören natürlich auch Musiker, deren Namen noch nicht so geläufig sind und die zu einer Entdeckungstour einladen. Daran haben die Veranstalter gedacht und Django Django (Foto rechts) gebucht, die in diesem Jahr mit dem nach ihnen benannten Debütalbum zu Recht viel Aufsehen erregt haben. Die Mischung aus Surf-Rock, altmodischer elektronischer Musik, Psychedelia, Folk und Britpop ist aufregend. Light Asylum zeigen anderen Electro-Bands, was eine Harke ist. Das liegt allein schon an der tiefen Stimme von Sängerin Shannon Funchess, die mal an Alison Moyet und mal an Grace Jones erinnert. Auch der einpeitschende EBM-Sound ist nicht von zahmen Eltern. Metronomy haben mit ihrem letzten Album „The English Riviera“ mit Anspielungen auf neueren französischen Pop den Durchbruch geschafft. Dasselbe gilt für Rapper Cro, der seinen Label-Kollegen Muso mit nach Berlin bringt, von dem demnächst ein Album mit Indierock-Einflüssen zu erwarten ist. Orbital sind zwar kein Geheimtipp mehr, aber ihr Comeback in diesem Jahr ist eine Überraschung und beschert uns einen seltenen Besuch des für große Auftritte prädestinierten Bruderpaars. Opper findet, man sei bestens vorbereitet: „Es gibt in Berlin heute viele große Musikveranstaltungen. Wir haben nichts dagegen, uns spornt das an. Dann muss eben ein noch geileres Line-up her und die Leistung noch mehr stimmen. Das kommt allen zugute und macht Berlin noch spannender.“

Text: Thomas Weiland

Foto:Geert Schaefer (oben), Berlin Festival, Mikael Gregorsky (Django Django)

Berlin Festival Flughafen Tempelhof, Fr 7.+Sa 8.9., mit The Killers, Tocotronic, Major Lazer, Sigur Rуs, Grimes u. a. (Fr), Paul Kalkbrenner, Franz Ferdinand, Kraftklub, Bonaparte, Cro, Django Django u. a. (Sa),
Festivalticket: 74 Ђ im Vorverkauf, Festival-Ticket + Club Kreuzberg 89 Ђ, Tagesticket 49 Ђ, alle zzgl. Gebühr
Abendkasse: Einzelticket 60 Ђ, Festivalticket 90 Ђ

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