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Berlin Festival Konzertberichte: Adam Green, LCD Soundsystem, Herman Dune

ADAM GREEN
Die fettige Pommes-Tüte in der Hand. 3,50 Euro das Stück. Teuer. Naja. Der Anti-Folker betritt die Bühne. Lächelt. Zappelt ein wenig spastisch. Man kennt das von ihm. Green ist ein Clown, ganz ohne Klamauk. Es ist noch hell. Der Herr scheint gut gelaunt. Wuschelfrisur, Stohhut auf dem Kopf. Die Festivalmenge reagiert ein wenig verhalten, daran ändert auch nichts seine gut eingestimmte Band. Die ersten Songs sind routiniert heruntergesungen. Adam fummelt an seinem Hut, zappelt, erzählt, dass er sich das Tanzen selbst beigebracht hat. Und macht drauf aufmerksam, dass das hier doch ein Festival ist. Das Publikum lacht artig, so richtig stimmen will seine Show nach den ersten zwanzig Minuten nicht. Allein mit seiner Gitarre sieht das anders aus. Zwei Songs – aus dem artigen Klatschen dringt das erste Mal Jubel. Die Band kommt wieder auf die Bühne, er zappelt wieder. Greift nervös nach dem Hut. Ein paar Sprünge in den Bühnengraben. Adam ist weg. Es knarzt durchs Mirko, er wirft sich ins Publikum, läßt sich tragen. Das Publikum geht mit. Brüllt und schreit. Green fühlt sich jetzt sichtlich wohl. Er ist jetzt Entertainer. Green erzählt, dass seine Band seit drei Monaten tourt, darum ziemlich gut eingespielt ist und weiß, wie man die Masse zum Kochen bringt. Genau das tut er jetzt. Kurze Ansage: Macaulay Culkin steht auf der Bühne. Macaulay wer? Richtig – „Kevin allein zu Haus“. Green hat gerade noch über Drogen gesungen, jetzt überspitzt er seine Show. Beide singen genüßlich ein Duett. „Wind of Change“. Scorpions auf dem Flughafen. Wäre er Schriftsteller, es wäre ein perfektes Bonmot. Das Festival hat gerade sein erstes Highlight erlebt.

LCD SOUNDSYSTEM
LCD Soundsystem ist das Soloprojekt des Musikproduzenten James Murphy, der das Electropunk-Label DFA Records mitbegründet hat. Solo ist er beim Berlin Festival allerdings nicht unterwegs. Mit fetter Band an der Seite treibt er – ähnlich dem Rattenfänger – die Beats wie das Publikum vor sich her. Überall zappelnde, wippende und zuckende Besucher, deren Füße gar nicht still stehen können. Mit „The Time has come“ startet das Programm aus Dance, Disco und einer Prise Punk. Die Bässe zielen direkt auf die Eingeweide des Publikums. Die genaue Konzertdauer haben wir leider nicht gestoppt, aber genau 45 Minuten und 33 Sekunden lang, wie die Produktion 45:33 aus dem Jahr 2006, werden es wohl nicht gewesen sein. Damals komponierte LCD Soundsystem speziell für Jogger einen Dauer-Track.
Angeblich soll das 2010 erschienene Werk „This Is Happening“ das letzte Album des Projekts sein, das wäre jammerschade, denn gerade live entwickelt diese Electronic-Komposition eine unglaubliche Dynamik.

HERMAN DUNE
Die französische Indiepopband besteht seit 1999 und tobt sich in den Genres Anti-Folk und Lo-Fi-Pop aus. Ihr Auftritt auf der City-Slang-Bühne im Hangar 5 beim Berlin Festival gerät ziemlich kurz, setzt dafür aber einen angenehm entspannten Kontrast zu den fetten Beats anderer Acts. Hier ist die Bühne in warmes Rot getaucht, viele Zuschauer sitzen auf dem Boden und genießen die ruhigeren, manchmal an Bob Dylan erinnernden Sounds, die bisweilen auch rockig-poppig werden wie in der Coverversion von „45“.

KONZERTBERICHTE: ROBYN, EDITORS, FEVER RAY 

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