Konzerte & Party

Berlin Festival: Robyn, Editors und Fever Ray

Im Fall der Editors ist es fast schon ärgerlich. Während Robyn noch im Hangar 4 spielt, knallt es bei der Band aus England schon auf der Bühne. Ein kleines Feuerwerk. Aber alles nach der Reihe. Robyn macht auf der Bühne eine sehr gute Figur. So sehr man ihren Alben und ihrem Plastikpop Belanglosigkeit unterstellen mag, auf der Bühne gelten für die junge Schwedin offenbar andere Regeln. Der Sound im Hangar 4 ist glasklar, selbst in den hinteren Reihen. Das Konzert ist ziemlich gut gefüllt. Ihre Stimme klingt fast schon zu perfekt, die Menge feiert sie frenetisch. Und ihr Bubbelgum-Pop scheint ausserordentlich glücklich zu machen. Der Bereich vor der Bühne ähnelt einer Welle, im hinteren Bereich tanzen nicht wenige mit seligen Mienen auf dem Gesicht.

Den großen Bang dank perfektem Bühnenaufbau fast verpasst, ist es um den Sound auf der Mainstage nicht so gut bestellt. Der eigentlich kraftvolle Sound der Editors, wirkt ein wenig schwach auf der Brust. Das scheint aber nur wenige Zuschauer zu stören. Die Band wird mit Betreten der Bühne gefeiert. Die Indie-Rocker spielen ein routiniertes Best-Of ihrer bisherigen drei Alben und zeigen mit ihrem Auftritt deutlich, dass der elektronische Einschlag ihres letzten Albums „In This Light and on This Evening“ mühelos auf die Bühne übertragbar ist. Es gibt sogar eine Zugabe, die man auch nur noch am Rande mitbekommt, dank der Schnelligkeit der Bühnenbauer. Auch im Hangar 4 geht es wieder überpünktlich los: Fever Ray. Die Halle ist diesmal fast komplett gefüllt. Die Bühne ähnelt einem Wohnzimmer, zahlreiche Lampenschirme sind zu sehen. Es wird reichlich Bühnennebel in die Halle gepumpt, dann folgen knarrende Geräusche, Klicklaute, Schnarren, lautes Stöhnen.

Die Atmosphäre wirkt fast gespenstisch, erinnert an den Soundtrack eines David Lynch Films. Fever Ray läßt auf sich warten. Eine Viertelstunde vergeht. Dann ein lauter, schriller Ton, nicht wenige Zuschauer erschrecken sich. Wieder Stille. Dann flackern die Lampenschirme auf, das Konzert beginnt. Die etwas angespannte Stimmung im Publikum ändert sich schlagartig. Wie eine Schamanin haucht Karin Dreijer Andersson ihre Stimme ins Mikrophon. Und das Publikum lauscht gebannt ihrem synthetischen Gebet. Die Pforten der Wahrnehmung scheinen geöffnet, der Ritus auf der Bühne nimmt seinem Lauf.

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