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Berlin ist seit Jahren ein Magnet für Jazzmusiker – Gespräch mit Sebastian Studnitzky

Der in Berlin lebende Trompeter und Pianist Sebastian Studnitzky ist Mitbegründer des XJazz-Festival. Mit ihm sprachen wir über die Frage, ob Berlin eine Jazzstadt ist, Fördergelder, das House of Jazz und neue Talente

tip Herr Studnitzky, ist Berlin eine Jazzstadt?
Sebastian Studnitzky Auf jeden Fall, wenn nicht gar die Jazzstadt Europa’s

tip Woran liegt das?
Sebastian Studnitzky Berlin ist seit Jahren ein Magnet für nationale und internationale Jazzmusiker. Die interessante Szene in Kombination mit der zentralen Lage in Europa und die niedrigen Lebenshaltungskosten machen die Stadt so attraktiv. Es gibt so viele etablierte und, zugezogene und temporär hier lebende Musiker, die auf höchstem Nivea Jazz so unterschiedlich interpretieren.

tip Sehen Sie sich selbst als Musiker in einer bestimmten „Berliner Tradition“?
Sebastian Studnitzky Ich stehe in der Tradition der „Zugezogenen“ (lacht). Ich bin um 2000 hierher gekommen, und damals ist ein ganzer Schwung Musiker meiner Generation nach Berlin gezogen. Ein Teil davon hat sich hier dauerhaft etabliert, andere sind nach ein paar Jahren wieder zurückgezogen. Als ich hier herkam war gerade minimal Techno schwer am Start was mich sehr beeindruckt hat. Ich gehöre aber auch zu dem Teil der Szene, die in Berlin wohnt, aber vor allem national und international spielen. In den Clubs in der Stadt spiele ich eher selten, wenn dann vor allem kurzfristig mit meinen Buddies.

tip Warum wurden Sie auch Veranstalter?
Sebastian Studnitzky Ich habe eine konstruktive und pragmatische Ader. Anstatt über bestehende Missverhältnisse zu meckern, benutze ich die Energie lieber um aktiv etwas zu ändern. Bis vor wenigen Jahren hat Jazz und vor allem junger Jazz aus Deutschland auf den meisten Festivals hierzulande keine Rolle gespielt. Wenn, dann nur als Feigenblatt um an dicke Förderung zu kommen. Das wollte ich mit dem XJAZZ Festival ändern. Wir waren das erste Festival in so einer Grössenordnung, das einen Fokus auf lokaler und junger Szene hatte. Seither hat sich sehr viel geändert – ich war überrascht wie schnell selbst etablierte Festivals – auch das Berliner Jazzfest – erkannt haben, dass es ein grosses Potential direkt vor der Haustür gibt.

tip X-Jazz hat sich etabliert. Welche Lücke hat es gefüllt im Hinblick auf das Jazzanbgebot der Stadt?
Sebastian Studnitzky Berlins Jazz- aber auch die Elektronische Szene und die Neo Klassik/Minimal – Szene sind fantastisch. Sehr vieles Interessantes spielt sich zwischen diesen Szenen ab – man kann dafür dem belasteten Begriff „crossover“ bemühen. XJAZZ bildet das ab. Jazz in Verbindung mit Stilen die von Jazz beeinflusst sind, oder aktuellen Jazz beeinflussen. Ausserdem haben wir ein Festival in einer Grössenordnung geschaffen, das ein ganz neues Publikum anspricht – in der Stadt – aber vor allem auch international. Man bekommt in Berlin glaube ich gar nicht so mit, was für ein internationales Standing XJAZZ.

tip Wie organisiert man so ein großes Festival ohne Förderung?
Sebastian Studnitzky In dem das Organisationsteam komplett ehrenamtlich arbeitet und grosse persönliche Risiken eingeht und man ansonsten an allen Ecken und Enden spart.

tip Welche Bedeutung haben Fördergelder für den Jazz?
Sebastian Studnitzky Sie ermöglichen Projekte, die auf dem freien Markt so nicht möglich wären. Vor allem neue und experimentellere Projekte finden oft nicht das grosse Publikum, um auf Anhieb wirtschaftlich tragfähig zu sein. Das entwickelt sich erst mit der Zeit. Aber ich meine, dass es gerade im Jazz und um Jazz herum vieles gibt, was aus vielen Gründen Beachtung verdient. Es ist gut, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es ein Bewusstsein für Kultur gibt, und auch die Bereitschaft diese zu Fördern. Jazz und Jazzverwandtes hat inzwischen vor allem in Berlin eine Relevanz, die Unterstützung verdient.

tip Wie stehen Sie zum House of Jazz?
Sebastian Studnitzky Ich finde die Idee hervorragend und vor allem auch die von Till Brönner angeregte Dimension macht absolut Sinn. Ich finde es sinnvoll dass man diese House Of Jazz im internationalen Kontext sieht. Anstatt gemeinsam konstruktiv zu arbeiten hat sich im Laufe der Diskussion um das House of Jazz hat sich leider eine zweite Front gebildet, Förderung der Basiskultur ist auch eine absolut wichtige Sache, aber das ist ein anderes Thema und es sollten auch andere Töpfe sein. Man sollte diese beiden Themen auch nicht gegeneinander ausspielen.

tip Wer sind die Berliner Newcomer auf die wir achten sollten?
Sebastian Studnitzky Die Frage, wie man Newcomer definiert – Die Jungs ums Melt Trio, der Gitarrist Igor Osypov, Ätna (eigentlich Dresdner), Max Andrzejewski, Komfortrauschen, die Mädels und Jungs um’s Andromeda Mega Orchestra, Lammel Lauer Bornstein, Lucia Cadotsch und viele mehr.

Mehr Informationen und aktuelle Konzerttermine: www.studnitzky.de

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