Konzerte & Party

Das Berlin-Festival in Tempelhof

Berlin Festival auf dem Flughafen Tempelhof

Das Wichtigste zuerst: Das Berlin Festival funktioniert auch ohne strahlenden Sonnenschein. Man weiß ja nie, momentan. Denn die Hauptbühne steht unter dem Hangardach. Ein Segen gegen den Regen.
Wenn dann 10.000 Menschen – ob nun bei gutem oder schlechtem Wetter – den stillgelegten Flughafen in Tempelhof als Pop-Location für eines der größten deutschen Musik-Events einweihen, wäre der Auftakt des wiederauferstandenen Berlin Festivals mehr als gelungen. Dann wäre es nämlich ausverkauft. Eine große Nummer wird es aber ohnehin. Eine 20.000 Quadratmeter große Fläche, zwei Bühnen direkt an der geschichtsträchtige Kulisse des mächtigen Halbrundes, ein?Club-Floor im Flughafengebäude mit Blick auf das Rollfeld, Stars wie Peter Doherty und Jarvis Cocker, insgesamt 30 Live-Acts, noch etwas mehr DJs, Tausende Musikfans: Es wird ein Musikereignis der ganz besonderen Art. Eines, das auch international mithalten kann. Das hoch hinaus will. Das noch ganz viel vorhat mit Tempelhof.
Dabei hatte man das Berlin Fes­tival fast schon totgesagt. Zumindest blickt es auf eine Geschichte zurück, die man wohl, ohne ihm zu nahe treten zu wollen, nicht selten als Irrweg bezeichnen musste.
Berlin Festival auf dem Flughafen TempelhofDas erste Berlin Festival hatte streng genommen seinen Namen gar nicht verdient. Es fand 2005 in Paaren im Glien in Brandenburg statt. Headliner war mit Ian Brown (Ex-Stone-Roses) eine echte UK-Legende, die nur selten den Weg nach Deutschland findet. Trotzdem ging das Festival mit seinen noch nicht einmal 2000 Besuchern in der Wahrnehmung der mit Konzerten verwöhnten Berliner ziemlich unter. Dennoch setzten die Veranstalter Hilary Kavanagh und Conny Opper – der Clubkönig von Berlin (Rio, Scala) – ein Jahr später erneut auf dasselbe Gelände und mit den Shout Out Louds, der Mediengruppe Telekommander oder auch Echo & The Bunnymen auf ein solides Line-up – das jedoch erneut gegen eine sehr überschaubare Publikumskulisse anspielen musste.
Daraus zog man die einzig richtige Konsequenz: Das Festival musste hinein in die Innenstadt. Man entschied sich für das alte Poststadion in Moabit, gewann Acts wie Peaches, Tocotronic und 2Many DJs, kam mit einem großen Handy-Hersteller als Hauptsponsor ins Geschäft – und kämpfte trotzdem mit einigen Problemen. Zum einen darf rück­blickend spekuliert werden, dass bei Weitem nicht so viele Tickets abgesetzt wurden, wie man es sich erhofft hatte – obwohl mittlerweile rund doppelt so viele Musikfans das Fes­tival besuchten wie noch im ersten Jahr. Zum anderen machte das Gerücht die Runde, dass der mäßige Sound und die begrenzte Lautstärke auf die – meist kaum vermeidlichen – Lärmschutzvorschriften zurückzuführen waren.
Es wurde anschließend noch leiser um das Festival. Denn 2008 setzte es aus. Warum eigentlich? Es habe einige Probleme mit den Business-Partnern gegeben, erzählt Opper – und auch mit der Location. Das Poststadion sollte saniert werden. „Darum haben wir uns damals entschieden, das Fes­tival ausfallen zu lassen.“
Berlin Festival auf dem Flughafen TempelhofDass Opper mit seinem Team nun in Tempelhof einen ambitionierten Neuanfang angeht, zeichnet ihn aus. Und andersherum soll der neue Veranstaltungsort das Festival auszeichnen. „Diese Location ist natürlich unser großer Trumpf“, sagt Hilary Kavanagh. „Wir hatten den Flughafen bereits im Kopf, als bekannt wurde, dass er schließen wird. Letztes Jahr im Spätsommer haben wir den Zuschlag erhalten.“
Es mache sie schon auch stolz, diesen Ort, der für die Stadt immer von geschichtlicher Bedeutung war, künstlerisch definieren zu dürfen. „Das Gelände abwechslungsreich, temporär und kreativ zu nutzen, sehe ich als eine große Chance für diese Stadt an“, betont Opper. „Gerade auch für das internationale Image.“ Und seine Kollegin sagt: „Dabei hat uns der Senat keine Steine in den Weg gelegt, und das Berliner Tourismus Marketing sowie die Berliner Immobilienmanagement GmbH, die das Gelände verwaltet, haben uns unterstützt.“
Und dann sind da ja noch die neuen Mitstreiter. Es hört sich diplomatisch-geschäftlich an, wenn Opper herausstellt, „dass wir mit Matthias Hörstmann und dem Melt-Festival jetzt ideale Partner gefunden haben und demnach bes­tens aufgestellt sind“. Hörstmann ist der Verleger der Zeitschrift „Intro„, eng verbunden mit dem Melt, das sich hierzulande längst als eines der wichtigsten Musikfestivals etabliert hat.

Foto Mitte: Andrй C. Hercher

Foto unten: Schnitger/tip

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