Konzerte & Party

Samstag: „Betancor, die Popette“ im Maxim Gorki Theater

Betancor

Die Mischung aus verschrobenem Humor, gekonnt gespielter jazzaffiner Popmusik und einer eigentümlich-drolligen Frisur spielt sich leicht in die Herzen des Publikums. Das gilt nicht nur für die „singende Herrentorte“ aus Mühlheim (Helge Schneider), sondern auch für die Erfinderin der Popette, Susanne Betancor. Musikalisch tanzte ihr letztes Album „Hispanoid“ mit der Mischung aus iberischem Schlager und deutschem Pop allerdings aus der Reihe. Darauf vertonte die Wahlberlinerin ihre bilingualen Wurzeln mit deutschen und spanischen Songs. Auf der neuen Langrille „Kein Island“ konzentriert sie sich nun aber wieder auf ihre Kernkompetenz: den „Kammerpop“. Darunter subsumiert Betancor Anleihen an den deutschen Song aus der Tradition Brecht/Weill/Eisler ebenso wie Jazziges oder Nouvelle Chanson. Das Herzstück bilden das Pianospiel Betancors und natürlich die verschrobenen Texte der „Topografin des Alltags“. Entgegen des allgemeinen Trends zur Effektivität und Produktivität zelebriert sie mit „Faul und feige“ ein Hohelied auf den Müßiggang, das Fürst Oblomow Purzelbäume schlagen ließe. Dahingehend lebt „Schief“ von dem Spannungsfeld absurder Lyrik („Ich lach mich tot / ich bin so lustig wie ein Vollkornbrot“) und einem Arrangement, das an die späte, wave-lastige Nico erinnert. Mit „Fallobst“ und „Trüb“ befinden sich zudem zwei längere Jazz-Balladen im Programm, die durchaus symptomatisch für die Ausrichtung sein dürften, die uns auch beim Konzert im Maxim Gorki erwartet.

Text: Ronald Klein

Foto: Christine Fenzl

Betancor, Maxim Gorki Theater – Gorki Studio, Sa 31.3.,  20.15 Uhr, VVK: 18/14 Euro

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