Konzerte & Party

Mari Boine im Kesselhaus Berlin

Mari BoineDie von Peter Gabriel entdeckte Musikerin hatte in den 80er Jahren maßgeblich zu einer Renaissance der samischen Kultur beigetragen. Doch selbst Mari Boine musste erst Lehrerin und Mutter werden, um sich bei der eigenen Verleugnung ihrer kulturellen Wurzeln zu ertappen: „Meinem Kind brachte ich zuerst auch nur Norwegisch bei. Samische Kultur wurde zwar nicht verboten, aber in den Schulbüchern schlicht totgeschwiegen.“ Bei aller Wut über Mari_Boine_Foto_von_Mahlumdieses kolonialistische Erbe sah Mari Boine in der Musik das geeignetste Mittel, um sich Gehör zu verschaffen. Dass ihren hypnotischen Klängen dabei oft schamanische Kräfte zugeschrieben werden, nimmt sie geschmeichelt zur Kenntnis, doch sieht sie sich nicht als puristische Gralshüterin: „Meine Lieder zeichnet ja gerade aus, dass sie von der Tradition abweichen.“ So wird Joik eigentlich a-cappella vorgetragen – und nicht wie hier zu westafrikanisch anmutender Perkussion- und Gitarrenbegleitung. Oder gar mit gefilterten Beats unterlegt, wie auf ihrem aktuellen Remix-Album (ironisch „It Ain’t Necessarily Evil“ betitelt) geschehen. Dann ähneln ihre Stücke mitunter pflegeleichtem World-Pop а la Baka Beyond oder Capercaillie. Die improvisationsfreudigen Live-Sets ihrer fünfköpfigen Band machen hingegen unmissverständlich klar, weshalb Boine so oft bei internationalen Jazzfestivals zu erleben ist!

Text: Markus von Schwerin

Mari Boine Kesselhaus, Mo 25.8.,
20 Uhr, VVK: 16 Ђ (Steh-)/19 Ђ (Sitzplatz)

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