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Bigmouth strikes again: Morrissey\s Autobiographie

MorrisseyAber Morrissey hatte ja noch nie ein Problem damit anzuecken. In seinen Lebenserinnerungen lässt er nichts aus. Er geht die Jugendjahre mit schmerzverzerrtem Gesicht durch (“Manchester is the old fire wheezing its last, where we all worry ourselves soulless, forbidden to be romantic“). Er preist die New York Dolls als musikalische Helden und stellt seine liebsten Fernsehsendungen und Autoren vor. Er macht keinen Hehl aus dem Abscheu, den er heute gegenüber Rough-Trade-Chef Geoff Travis empfindet – und das, obwohl der Indie-Pionier der Einzige war, der den Smiths einen Plattenvertrag anbot und den Sänger damit von depressiven Neigungen befreite.

Mit den Bandmitgliedern und besonders Johnny Marr geht Mozzer erstaunlich pfleglich um. Nur Drummer Mike Joyce, der sein Schlagzeug allen Ernstes “Elsie“ nannte und in den Neunzigern 25 Prozent Tantiemen vor Gericht erstritt, bekommt sein Fett weg: “Joyce is nothing and knows nothing.“ Niemand kann so eloquent, gehässig, witzig, poetisch, scharfzüngig und überheblich wie Morrissey sein, auch in Buchform. Wer ihn schon immer wegen seiner Sprachbegabung und als streitbaren Gesellen bewunderte, wird mit dieser Autobiografie, die zu den besten eines Rockmusikers überhaupt zählt, umfassend versorgt.

Text: Thomas Weiland

Foto: Rough Trade

Morrissey: „Autobiography“ Penguin Classics, 457 Seiten (engl.), 10 Ђ

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