Konzerte & Party

Birdy im Babylon Mitte

Birdy

Sie ist gerade mal 16 und hat nur selten mehr als ein scheues Lächeln im Gesicht. Birdy, alias Jasmine van den Bogaerde, sieht genauso aus, wie man sich ein unbedarftes Mädchen in diesem Alter vorstellt. Die langen, schlicht frisierten Haare fallen in Wellen auf die Schultern, mit den Händen hält sie sich unbeholfen am eigenen Rock fest. Bei einem kurzen Promo-Gig im Februar in Berlin trat sie kaum anders auf und verschwand so leise und bescheiden, wie sie die Bühne betreten hatte. Zuverlässig bedient das Mädchen aus der südenglischen Hafenstadt ­Lymington das Klischee des unverbrauchten Newcomers. Doch warum auch nicht? Birdy ist verdammt jung für ihren Erfolg und wer so ­defensiv auftritt, weckt nicht nur Sympathien, sondern duckt sich auch gekonnt vor zu harter Kritik weg. Nötig hat es Birdy indes nicht: Nach dem Dasein als YouTube-Star hat sie inzwischen ein Major Label im Rücken und besagtes Debüt veröffentlicht. Zwar enthält dies neben zehn ­Coverversionen nur ein selbst geschriebenes Stück. Dennoch ist das, was sie abliefert, bemerkenswert. Zart und fragil klingen ihre Versionen der ursprünglichen Indie-Pop-Nummern, die nun Klavier und vor allem ihre Stimme in den Vordergrund stellen. Deren besondere Klangfarbe, der man die Jugend noch wunderbar anhört, verleiht nicht nur „Young Blood“ von The Naked And Famous ein völlig neues, elegisches Gesicht. Auch ein Stück von The xx macht sich Birdy vollkommen zu eigen. Dem ursprünglich eher kalt und hohl schallenden „Shelter“ gibt sie mit ihrer Version als Klavierballade überraschendes Volumen. Fürs zweite Album plant Birdy deutlich mehr eigene Stücke. Bislang hatte sie dafür aber einfach keine Zeit. Wegen der Schule.

Text: Nadine Kleber

Foto: WMG

Birdy, Babylon Mitte, Di 4.9., 20 Uhr, ausverkauft

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