Konzerte & Party

The Black Keys: Turn Blue

Black Keys: Turn BlueNach der drallen Rock-’n’-Roll-Packung ihres Grammy-dekorierten Albums „El Camino“ dürften die Black Keys selbst gespannt gewesen sein, wohin ihre Reise als nächstes führen würde. Nun folgt die prompte Abkühlung nach der Party – was weniger am Kalkül von Dan Auerbach und Drummer Patrick Carney gelegen haben mag als am Lauf des Privatlebens von Bandkopf Auerbach. Der Sänger und Gitarrist befand sich, während die neuen Songs im vergangenen Sommer Gestalt annahmen, mitten im Prozess seiner Scheidung.
Somit kommen die Black Keys mit dem achten Album „Turn Blue“ zu ihrer ersten großen Trennungsplatte: Allein Songtitel wie „Bullet In The Brain“ und „Gotta Get Away“ erzählen eine Geschichte, in der sich Canyon-weite Beziehungsgräben auftun. Die Platte, traditionell koproduziert von Dangermouse, beginnt denn auch wie ein psychedelisches Sit-in mit weichem Einstieg auf der Akustischen, Orgeltönen und einem Weltfluchtgefühl, das klingt, als musizierten Air auf dem Vintage-Rock-Equipment des Duos aus Akron. Erst nach zwei Minuten setzt Auerbachs posenfreie Soulrockkehle ein und übernimmt beiläufig das Zentrum, samt seiner bittersüß klagenden Blues-Gitarrensoli: ein Mann in Schmerzen. „Weight Of Love“ legt den trippigen Grundton der Platte, in der sich mit dem Mikrofunk von „Fever“ und dem herrlich rotzigen Boogierocker „Gotta Get Away“ im Grunde nur zwei „Hits“ für die Sommersaison finden. Der 34-jährige Frontmann zeigt sich als natürlich gereifter Performer, bei dem zwischen John-Fogerty-mäßigem Southern Rock und schwerelosem Soulfalsett oft nur ein trockener Taktschlag liegt. Mittlere Tempi und in HipHop-Manier geschichtete Texturen mit Psychedelic-Schlagseite prägen das Bild, dabei fehlt nie eine starke Groove-Unterlage.
„Turn Blue“ funktioniert dadurch genauso gut als Painkiller unter Kopfhörern wie als Rauschmittel auf der Tanzfläche.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Herausragend (6/6)

The Black Keys, Turn Blue (Warner)

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