Konzerte & Party

„The Black Rider“ mit Musik von Kante in der Schaubühne

Friederike Heller, Peter Thiessen

Wir sprachen mit der Regisseurin und Kante-Sänger Peter Thiessen übers Theater- und Musikmachen.

tip Frau Heller, seit 2007 haben Sie drei Stücke gemeinsam mit Kante erarbeitet, wie sind Sie gerade auf diese Band gekommen?
Friederike Heller Ich hatte auf der Fahrt von Hamburg nach Berlin mal ein Interview mit Kante im Radio gehört und war begeistert, wurde Fan. Und irgendwann war dann die Idee da, sie anzusprechen, ob es nicht Spaß bringen könnte, etwas zusammen zu machen.

tip Hatten Sie als Musiker damals keine Angst, nur ein Popkultur-Zugpferd zu sein?
Peter Thiessen Nein, der Reiz der Arbeit mit Friederike an einem Stück wie jetzt „The Black Rider“ ist ja, dass wir hier nicht nur unsere Musik abliefern, sondern mit Kante Teil der Aufführung sind.
Friederike Heller Wir haben schnell festgestellt, dass wir ähnlich ticken. Und ich profitiere davon in der Produktion. Gar nicht mal nur, weil Kante tolle Musiker sind, sondern eigentlich ist Peter auch so ein geheimer Studienrat, mein Geheimdramaturg.

tip Kommt es Ihnen entgegen, das Indierock-Leben mit dem geregelten Theaterbetrieb getauscht zu haben? 
Peter Thiessen (lacht) Das ist hier eine sehr intensive Arbeit. Da ist man zwei Monate auf den Proben, hat den Kopf komplett dort. Ich wohne ja eigentlich in Hamburg, meiner Heimatstadt, bin verheiratet und habe zwei Kinder. Für die ist das jetzt eine blöde Zeit. Das ist auch sehr viel intensiver als unsere frühere Arbeit als Band – Kante waren ja nie zwei Monate am Stück unterwegs.

tip Da bleibt dann kaum noch Zeit, an einer eigenen Platte zu arbeiten, oder?
Peter Thiessen Wir haben uns in den Jahren wirklich sehr aufs Theater konzentriert. Diese Veränderung hat für uns alle damit zu tun gehabt, dass wir Kinder gekriegt haben, da muss man sich anders organisieren.
Friedrike Heller Das verändert ja auch den Blick auf die Welt, so dass man erst mal kucken muss, was man überhaupt noch erzählen will.
Peter Thiessen Also mir ging das ganz extrem so. Ich hab mich in der ersten Zeit hingesetzt und versucht, Texte zu schreiben, aber wenn man nebenan ein kleines Baby liegen hat, dann ist es plötzlich gar nicht mehr so wichtig, der Welt seine schlauen Gedanken mitzuteilen.

Friederike Heller, Peter Thiessentip Da kam der Theaterjob ja gerade richtig …
Peter Thiessen Für mich persönlich ist das schon so, dass ich jetzt im Theater einen Raum für Auseinandersetzungen und fürs Nachdenken gefunden habe, der auch früher in der Hamburger Musikszene sehr wichtig war. Damals hat das alles in Kneipen stattgefunden. Mit Musik leben war nie nur Proben und Auftreten, sondern auch Auseinandersetzung.

tip Die Hamburger Schule als Vorstufe zur Theaterkarriere – aber hier an den Wänden der Probenbühne hängen auch Fotos von The Velvet Underground und Warhols „Factory“, fließen die ebenfalls in ihre Arbeit ein?
Friederike Heller Das hat die Kostümbildnerin dort hingehängt. Ein ganz üblicher Vorgang, dass man assoziierendes Material etwa auf dem Weg zur Kantine an die Wand klatscht. Und wenn man sich einen Kaffee holt, jagt man sich dann über den schrägen Blickwinkel irgendeine Art von Inspiration in den Kopf.

tip Eigentlich haben sich die Autoren Tom Waits, William Burroughs und Robert Wilson doch vom „Freischütz“ inspirieren lassen …  
Friederike Heller Mich interessiert nicht so sehr dieser Urgrund der deutschen Romantik. Eher schon das Motiv von Liebe, Tod und Teufel darin, und wie Waits, Burroughs und Wilson das adaptiert haben. Und dazu gehören dann auch die Texte der Beat-Generation und der New Yorker Underground der 1950er- bis 1970er-Jahre.

tip Eine Theaterbearbeitung ist also eigentlich auch nur eine Coverversion?
Peter Thiessen Kann man schon sagen. Es gibt aber verschiedene Arten. Die besten Coverversionen sind natürlich die, wo jemand einen Song von einem Anderen zum Teil von sich selber macht. Das ist in der Musik genauso wie im Theater.

Interview: Hagen Liebing

Fotos: Harry Schnitger / tip

The Black Rider, Schaubühne, Premiere Sa 24.11, 20 Uhr ­(ausverkauft), Mo 26. + Di 27.11., 20 Uhr, ­Karten-Tel. 89 00 23

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