Konzerte & Party

Black Sabbath in der Wuhlheide

Black Sabbath

Nur härteste Skeptiker dürften im vergangenen Jahr ernsthaft Zweifel angemeldet haben, dass Black Sabbaths famoses, ganz ohne jede Nostalgie in seliger Vergangenheit verhaftetes Album „13“ das ultimative Comeback einer Band darstellt, deren über vierzigjährige Karriere so kontinuierlich wie bei nur wenigen anderen Bands im Olymp der Rockmusik von Line-up-Wechseln und Comeback-Versuchen geprägt war. (Einige Puristen stellten in dem Zusammenhang die steile These auf, dass die „Heaven & Hell“-Tour von 2007 in der Originalbesetzung der Ronnie-James-Dio-Phase als eigentliches Black-Sabbath-Comeback gelten müsste.) Klar schmerzt die Absage von Schlagzeuger Bill Ward, der für den dunkel-samtigen Schmirgelsound der frühen Sabbath-Alben ebenso stilprägend war wie Tony Iommis mollgetränkten, im wahrsten Sinne des Wortes teuflisch einlullenden Riffs und Ozzy Osbournes schreckschraubenhaftes Gekeife. Doch die wahre Sensation ist natürlich die reumütige Rückkehr von Madman Ozzy, dem „Blizzard of Ozz“, dieser wandelnden Ein-Mann-Betty-Ford-Klinik, in das klassische Sabbath-Gefüge, das für all die Hymnen verantwortlich zeichnet, die noch heute jede minderjährige Provinz-Hardrockband im Repertoire führt: „Paranoid“, „War Pigs“, „Iron Man“, „The Wizard“, „Supernaut“ und wie sie nicht alle heißen. Das offizielle Statement, Ward sei für eine Black-Sabbath-Reunion körperlich nicht fit gewesen, überraschte allerdings doch für eine Band, deren Frontmann sich erst kürzlich von einer einjährigen Drogeneskapade zurückgemeldet hatte und bei deren Gitarrist vor nicht allzu langer Zeit ein bösartiger Tumor diagnostiziert worden war. Wir halten fest: Die unverwüstlichen Radaubrüder des pseudookkulten Schwarzkittelblues müssen tatsächlich mit dem Leibhaftigen im Bunde sein, dass sie noch immer aufrecht eine Bühne besteigen können. Nicht ganz unschuldig an dieser fulminanten Rückmeldung ist Produzenten-Legende Rick Rubin, der einem Promovideo zufolge einen Großteil der Aufnahmen auf einem Diwan im Studio herumgelümmelt haben muss, von wo aus er der Band gut gemeinte Ratschläge erteilte. Das Ergebnis gibt ihm letztlich recht. „13“ dröhnt, schlurft, grollt, schlonzt und windet sich so eingängig groovend und auf erhabene Weise altersresistent, als hätte es die letzten 44 Jahre Rockmusik nie gegeben.

Text: Andreas Busche

Foto: Universal Music

Black Sabbath + Soundgarden, ?Kindl-Bühne Wuhlheide, So 8.6., 19.30 Uhr, ausverkauft

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