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Blixa Bargeld Doku auf Arte

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
„Ich lebe in erster Linie davon, dass ich Dinge verbinde, die vorher nicht verbunden gewesen sind“, sagt Blixa Bargeld über sein schöpferisches Konzept, aus dem längst ein vielschichtiges Gesamtkunstwerk entsprungen ist, das über die Musik hinausgeht. Der Film will nicht eine weitere Einstürzende-Neubauten-Doku sein, Birgit Herdlitschke hat schließlich 2000 selbst eine gedreht, hier soll es um den Menschen Blixa Bargeld drehen.
Geboren 1959 in West-Berlin, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, dachte der junge Christian Emmerich, so sein bürgerlicher Name, anfangs an eine Forscherkarriere, doch mit der Pubertät kam es anders. Mutter Bargeld, Jutta Emmerich erinnert sich an den ungewöhnlichen Geschmack des jungen Christian. Lila Hose zu goldgelben Hemd sollte es sein. Ein Höhepunkt dieses Filmporträts! „Ich hatte keine Perspektiven und weil ich nichts hatte, nichts verlieren konnte, kam die Radikalität“, sagt Bargeld. Die Radikalität sollte zu Bargelds Markenzeichen werden.
Nick Cave, in dessen Begleitband, den Bad Seeds, Blixa Bargeld 20 Jahre lang Gitarre spielte, erinnert sich an einen Fernsehbeitrag, in dem er den Sänger erstmals sah: „Ich habe noch nie jemand so zerstörten gesehen, er machte Geräusche, die so eigentlich nur von sterbende Babys stammen konnten“. In den letzten 30 Jahren erschuf Blixa Bargeld ein eigenes ästhetisches Prinzip, das ihm trotz deutscher Texte, weltweiten Ruhm gebracht hat.
Neben seiner Arbeit mit den Neubauten und bei Cave, experimentierte er Solo mit Texten, Performance, Film- und Theaterarbeit und lehrte Lyrik. „Ich bin kein Schriftsteller, ich bin etwas dazwischen“, erklärt Bargeld, der heute als Deutschlands letzter Großkünstler durchkommen könnte, sicherlich aber als der einflussreichste Künstler den West-Berlin hervorgebracht hat. Seinen düsteren Genius inszeniert der blasse, dandyhafte und stets schwarz gekleidete Bargeld bis zur Perfektion. Er gilt als diktatorisch, launisch und arrogant, ist zum Weinkenner und Gourmet avanciert und lebt seit mehreren Jahren zwischen San Francisco und Peking.
„Um Gute Gedanken zu haben, muss man gut essen und deshalb muss man auch verstehen was man isst“, erklärt Bargeld seine kulinarische Leidenschaft. Das Geheimnis seiner Kreativität liegt jedoch woanders: „unzufrieden bin ich immer, Unzufriedenheit ist ein bedeutender Antrieb für Kunst“, gibt Bargeld zu bedenken. Glückliche Menschen stellt er sich lethargisch vor und aus Lethargie ist noch nie große Kunst entsprungen. Da ist was dran.
Text: Jacek Slaski

Blixa Bargeld – Mein Leben, So 21.12., 18.15 Uhr, Arte

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