Konzerte & Party

Bob Dylan macht Station in Berlin

in concertWas um alles in der Welt lässt sich noch über Bob Dylan schreiben? Ja, er feiert Ende Mai seinen 68. Geburtstag, ja, die „Never Ending Tour“ ist tatsächlich endlos, und auch ein neues Studioalbum ist angekündigt, die ersten Songs daraus spielt Dylan bereits live. Und auch das stimmt: Nach Werbeauftritten für die edle Dessousmarke Victoria’s Secret ist Dylan kürzlich auch in Clips für Cadillac und Pepsi aufgetaucht. Doch außer diesen Neuigkeiten bleibt wenig übrig, die Fakten sind längst erzählt, jede Facette seines Lebens beleuchtet, jedes Wort gedeutet. Im gefühlten monatlichen Rhythmus erscheint eine neue Platte mit rarem Material oder Tributaufnahmen, ein neues Buch mit Fotos, Analysen oder Anekdoten oder irgendein Film. Alle­samt Medien, die mal klug und mal unbeholfen versuchen, dem Phänomen Dylan gerecht zu werden oder einfach nur dem Dylano­logen Geld aus der Tasche zu ziehen. Seien wir also wahllos, denn die große Geschichte steckt auch im winzigsten Detail, und das Dylansche Gesamtbild setzt sich aus Bruchstücken zusammen. In dem Buch „Bob Dylan – Wie er sich selbst sieht“, herausgegeben von Miles, Pearce und Marchbank im Jahre 1981, sagt Dylan über Sex: „Es ist eine vorübergehende Sache“, und über Politik: „Es ist eine Illusion.“ Greil Marcus schreibt 2005 in seinem Buch „Like a Rolling Stone – Die Biografie eines Songs“: „Der Song hört sich niemals gleich an“ und: „Es war die Vision einer Zeit, die dann niemals eingetreten ist.“ Mathias R. Schmidt weiß in „Bob Dylan und die 60er Jahre“ (1983), dass Dylan „den politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern mit Zorn und Zynismus begegnet“ und „die Welt von einem roboterhaften Apparat beherrscht wird“, und auch Heinrich Detering trägt in seinem Reclam-Heftchen „Bob Dylan“ (2007) Erhellendes bei: „Es ist die Geschichte von Gorgeous Bob. Ein großer Geist. Man sagt, er habe die Größe seines Volkes besessen.“ So sei es, Bob in Ewigkeit. Amen.

Text: Jacek Slaski

Bob Dylan Max-Schmeling-Halle, Mi 1.4., 20 Uhr, VVK: ab 56 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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