Konzerte & Party

Bobo + Herzfeld in der Sophienkirche

Bobo + Herzfeld

Manchmal braucht es die Neugier eines Fremden, um Vergessenes hervorzukramen und in neuem Licht zu betrachten: deutsche Volkslieder etwa. Dafür hat der Neuseeländer Hayden Chisholm ein Faible. In der Kino-Doku „Sound of Heimat“ geht der Saxofonist und Weltenbummler der Frage nach, warum Deutsche ihre Volkslieder nicht mehr singen.
Antworten bekommt er etwa von Christiane Hebold alias Bobo. Die Sängerin der Berliner Folk-Pop-Band Bobo In White Wooden Houses erzählt im Film über ihr eigenes gebrochenes Verhältnis zur deutschen Liedtradition. Wenig am Hut hatte sie lange Jahre damit – schon gar nicht, als sie nach dem Mauerfall mit ihrer englischsprachigen Band durchstartete. Dabei kennt die Pfarrerstochter aus Sachsen-Anhalt Choräle und Volkslieder von klein auf. Ihre Liebe zu alten deutschen Gedichten und romantischen Motiven hat Bobo mittlerweile wiederentdeckt. Den Anstoß dafür gab Theatermusiker Sebastian Herzfeld, als er die Berlinerin um Gesang für ein Puppentheaterstück bat. Geheimnisvoll und expressiv klang das, was die beiden um ein Gedicht von Joseph von Eichendorff komponierten.
Ähnlich eigensinnig klang 2007 auch das erste gemeinsame Album der beiden mit Gedichtvertonungen und Interpretationen jahrhundertealter Weisen, etwa dem Revolutionslied „Die Gedanken sind frei“. Klar und dringlich klingt das aus Bobos heller, gefühlspraller Kehle – doch nie süßlich. „Viele alte Texte sind so gut geschrieben, dass sie selbst schon wie Musik sind. Wir haben versucht, das Zeitlose herauszufiltern, das Symbolische und Mythische“, sagt Bobo. Das gelingt auch auf dem zweiten Duoalbum wieder eindringlich. Auf „Liederseelen“ reibt sich der brillante Sopran der heute 46-Jährigen interessant mit dunklen Klangmalereien um Harmonium, Holzbläser, gedämpftes, verfremdetes Klavier, metallische Sounds und Percussion. Das Textmaterial führt diesmal tiefer in wenig bekanntes Terrain: schwerblütige Zeilen von Romantikern wie Robert Reinick, Conrad Ferdinand Meyer oder Friedrich Rückert, von dem das berühmte weltmüde Gedicht „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ stammt. Mit ihrer atmosphärestarken Musik passen die beiden weniger in die Riege neuer Volksmusiktruppen, eher zu klassisch geschulten Klang-Ästheten wie Hauschka, Nils Frahm oder den Tiroler Weltmusikern Franui. Einfacher Zuordnung entziehen sich Bobo + Herzfeld. Am ehesten trifft es vielleicht Hayden Chrisholm, dem in „Sound of Heimat“ ein englischer Begriff einfällt: „German Soul“.

Text: Ulrike Rechel

Bobo + Herzfeld (Record-Release-Konzert), Sophienkirche, Fr 1.3., 20 Uhr, VVK: 19 Euro zzgl. Gebühr

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