Konzerte & Party

Bodibill mit neuem Album

Bodibill

Ein Bürokomplex, der schon bessere Tage gesehen hat; draußen plätschert die Spree. Im ersten Stock strahlt die Mittagssonne ins Büro, während Fabian Fenk von Bodibill Kaffee aufsetzt. Für die Schaltzentrale einer Elektrotruppe sieht der Raum erstaunlich untechnisch aus. Keine klinisch reine Computerwelt mit Apfel-Logo, stattdessen kreatives Chaos: Alte Lehrbücher liegen rum, ausgeschnittene Bildchen, im Regal ein Super-8-Projektor, irgendwo ein Tierkopf aus Pappmachй. Die Steine und Asphaltbrocken, die jemand zusammengelegt hat, finden sich auf der Hülle des neuen Albums der Band wieder: „What?“. An eine Mischtechnik mit interessantem Treibgut erinnert auch die Arbeitsweise des Trios Fabian Fenk, Alex Amoon und Anton K. Feist. Die Berliner haben im Lauf von drei Alben einen bemerkenswert eigenen Sound ausgeprägt – um Technobeats, gefühlsstarken Gesang, skurrile Samples. „Das Suchen und Sammeln ist unser Ausgangspunkt. Bevor wir nicht einen interessanten Klang gefunden haben, entsteht auch kein Stück daraus“, erzählt Sänger Fenk, „wobei wir mit dem neuen Album darauf geachtet haben, nicht bei einem Klang stehen zu bleiben, kein Sechs-Minuten-Stück um einen Klang herum zu bauen. Wir gehen nicht mehr so technoid ran.“ Alex Amoon, der wie seine Mitmusiker weiterhin seiner alten Tätigkeit als DJ nachgeht, ergänzt: „Wir wollten ein Album machen, das spielbar ist und vom Ansatz her nicht auseinanderkippt in Instrumentalstücke, ein paar Technostücke und so weiter. Wir wollten immer beim Song bleiben, beim Gesang und Geschichtenerzählen.“ Die zehn Stücke wirken denn auch einheitlich wie in Dämmerlicht getaucht, mit der E-Gitarre an wichtigerer Position als bisher. Die Aufmerksamkeit richtet sich ganz auf Fenks emotionales Timbre und seine leicht surrealen Storys: Die handeln von verschmähter Liebe mit einem Hauch Ganoventum („Garden Dress“), von Bankern, die Trost suchen („Pyramiding“), oder einem Abschied an einem vernebelten Schiffsableger („Seafoam“), während die Gitarre ähnlich düster pulsiert wie in den Wave-Miniaturen von The XX. An anderer Stelle entfalten gesampelte Hörner, Marimbaphon oder auch zersplitterndes Glas bildhafte Assoziationen. Statt auf einem entfesselten Rave mag man Bodibills feinnervigem Kammertechno da eher unter Kopfhörern lauschen.

Text: Ulrike Rechel

Bodibill: What? (Sinnbus/Rough Trade)

Bodibill im Lido, 26. – 28.4. (28. ausverkauft), VVK: 15 Euro

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