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Bon Iver: Bon Iver

Bon Iver: Bon IverDie Geschichte ist so gut, man kann sie immer wieder erzählen: Da verbarrikadierte sich dieser Justin Vernon also in einer abgelegenen Jagdhütte irgendwo im ohnehin schon abgelegenen Wisconsin, um mit ganz wenig Equipment alleine Songs zu schreiben und Demos aufzunehmen. Es war kalt, er musste zwischendurch in den Wald, um Bäume zu fällen, damit er Feuerholz hatte. Wal-Mart war weit weg. Folglich jagte er Wild, der Mensch braucht schließlich was zu essen.
Heraus kam „For Emma, Forever Ago“, ein Debüt, in das sich die halbe Welt verliebt hat. Vernon alias Bon Iver hielt sich nicht ans Americana-Regelbuch, lieferte keine Folk-Plagiate und aalte sich auch nicht bloß verzagt im Schmerz, den er fraglos verspürte. In seinen Songs steckten auch ein entrückter Vibe und unterschwelliger Swing. Kanye West war davon so begeistert, dass er Vernon zur Zusammenarbeit einlud. Der setzte sich tatsächlich ins Flugzeug nach Hawaii. Es war ein kurzer Abstecher in die fremde Welt, mehr nicht.
Vernon ist aus tiefer Überzeugung heimatverbunden, deshalb hat er „Bon Iver“ wieder in Wisconsin aufgenommen. Dieses Mal aber nicht in einer Hütte, sondern im Studio. Dort leistete sich der Eremit die Gesellschaft von Pedal-Steel-Spieler Greg Leisz oder Saxofonist Colin Stetson.
Schon kommt mehr Klangfarbe ins Spiel, die Bon Iver gut tut. In „Michicant“ rascheln elektronische Beats durch den Hintergrund, bevor behutsam der Abzweig in Richtung Jazz genommen wird. So etwas konnten eigentlich nur Talk Talk in ihrer losgelösten Phase. „Calgary“ erinnert mit markanten Drums an die Glanzzeit von Peter Gabriel. Der Song, über den am meisten geredet werden wird, kommt zum Schluss. Bei „Beth/Rest“ weiß man nicht, ob man zuerst an Christopher Cross oder Bruce Hornsby denken soll. Penible werden darob ein Attentat gegen den guten Geschmack monieren, aber Vernon hat diese Einflüsse natürlich souverän verarbeitet.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Bon Iver, Bon Iver (4 AD/Indigo)

[Hier] kann man sich von der Schönheit der Platte selbst überzeugen.

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