Konzerte & Party

Bon Iver in der Arena

Bon Iver

Eine Bereitschaft zur Melancholie und Selbsterforschung sollte man schon mitbringen, um sich in der Welt des Justin Vernon und seiner Band Bon Iver wohlzufühlen. Der bärtige Mann mit der hohen Falsettstimme bringt verletzliche, unbekannte Saiten der Gefühle zum Klingen. Das Debütalbum „For Emma, Forever Ago“ entstand 2008 in der Abgeschiedenheit einer Jagdhütte im verschneiten Wald von Wisconsin und hatte die großen Schmerzen des Jungseins zu tragen: beste Freundschaften, größte Liebe und was geschieht, wenn sich all das auflöst. „Skinny Love“ wog fein das Drama ab, wenn Liebe mit Abhängigkeit einhergeht und dünn und zerbrechlich wird. Dieser Song gilt vielen als Meilenstein und Blaupause im Ringen um Aufrichtigkeit. Viel Input für starke Songs. Drei Jahre später eine ganz andere Arbeitsweise: erst der Sound, dann der Song. Und das durchaus nicht als Verrat an seinen Vorbildern Neil Young, Bob Dylan, Indigo Girls oder John Prine, denn auch sie stehen neben dem Storytelling für ihren Sound. Die Themen rund um Jahreszeiten und die Orte seiner Heimat umkreist Vernon nun eher, Melodien scheinen aus der Improvisation geboren. Der sensationelle Erfolg des Debüts brachte es mit sich, dass er fürs zweite Album bewunderte Cracks wie Greg Leisz (Pedal Steel) und die Avantgarde-Saxophonisten Colin Stetson und Mike Lewis anheuern konnte. Mag sein, dass das auf Kosten der Gemütlichkeit geht. Aber die detailverliebten Soundexplosionen wiegen das allemal auf.

Text: Christine Heise

Foto: DL Anderson

Bon Iver + Staves, Arena, Mo 5.11., 20 Uhr, VVK: 32 Euro zzgl. Gebühr

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