Konzerte & Party

Bon Iver im Postbahnhof

Bon IverEin Mann, der ganz allein im Wald lebt – das klingt wie ein schöner Promotiongag, aber es ist eine wahre Geschichte und eben auch in der Musik, in der zwingenden Ernsthaftigkeit zu hören. Ähnlich verhält es sich mit Bon Iver. Keine Band, sondern ein Ein-Mann-Unternehmen. Justin Vernon kommt eigentlich aus dem eher südlichen North Carolina, aber kehrte Freundin und Band (DeYarmond Edison) den Rücken, um sich im US-Bundesstaat Wisconsin, hoch oben im Norden, ganz allein in den Wald zurückzuziehen. Jagte Wild und hackte Holz und schrieb Songs aus seinen Stimmungen heraus. John Prine, Bob Dylan, Paul Westerberg und Neil Young kommen ebenfalls ungefähr aus dieser Gegend, und jeder von ihnen hatte ihm einst lyrisch die Welt des Songwritings geöffnet.

Ein altes Multitrackgerät tat seinen Dienst, und Vernons hohe Falsettstimme, zu ganzen Chören vervielfältigt, positioniert seine Musik in ein Niemandsland zwischen Moderne und Altertum, irgendwie zeitlos und in ihren besten Momenten verborgene Saiten anschlagend im überraschten Hörer. Eine geheimnisvolle Welt, wie sie Will Oldham zu erwecken versteht. Die New-Folk-Gemeinde ist sich einig: Bon Iver, mit bewusst verunglückter Schreibweise des französischen Bon Hiver (schöner Winter), ist ein Ereignis, For Emma, Forever Ago das Debütalbum des Jahres. So begeistert die einen, so ratlos die anderen, zum Beispiel ob der nicht zu leugnenden Manierismen; gespannt aber auf die physische Präsenz eines zeitweiligen Waldmenschen und seiner musikalischen Vision sind alle.  

Text: Christine Heise  

Verlässlich gut 2

Bon Iver
Postbahnhof
So 28.9., 20 Uhr, VVK: 14Ђ
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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