Konzerte & Party

Bonnie Raitt im Admiralspalast

Bonnie Raitt

Acht Jahre sind vergangen seit der Veröffentlichung des letzten Albums von Bonnie Raitt. Die letzten Auftritte in Berlin liegen so lange zurück, dass sich die amerikanische Sängerin und Gitarristin sicher nicht mehr daran erinnert … „Oh doch, da war dieses wunderbare Konzert in einem großen Park in Ostberlin. Mit Lyle Lovett, den Violent Femmes und Lou Reed … dupp-du-dupp-du-dupp … Take a walk on the wild side … hat Spaß gemacht, am Schluss noch ein bisschen Background zu singen.“
Das war 1992 in der Wuhlheide, nach dem großen Erfolg ihres Albums „Nick Of Time“. Beim Konzert 1994 in der „Neuen Welt“ war sie zornig wegen der dichten Nikotinschwaden im Auditorium. „Das war immer ein Problem in Europa. Ich habe eine Allergie: Wenn ich Zigarettenrauch einatme, geht meine Kehle zu und ich kann nicht mehr singen.“ Ein Glück, dass sie sich darum inzwischen keine Sorgen mehr zu machen braucht, wenn sie jetzt zur Vorstellung ihres neuen, vielleicht sogar besten Albums „Slipstream“ für drei Konzerte nach Deutschland kommt. Angekündigt ist sie diesmal als „Grande Dame des US-Folk“. Folk? „Das ist lustig. Im letzten Jahr hatte ich noch das Nummer-Eins-Blues-Album in den Charts. Ich bin vom Blues beeinflusst, aber zwei Blues-Songs machen noch kein Blues-Album. Und ein paar Balladen machen mich nicht zur Folk-Sängerin. Viele Leute in Amerika sehen mich wiederum als Country-Sängerin. Mein neues Album wurde gekürt zum „Americana“-Album des Jahres. Ich mag afrikanische, keltische, mexikanische Musik, Jazz, Folk, Reggae, Blues, Bluegrass, Rock ’n’ Roll, Soul. Ich bin von allem beeinflusst. Wenn man älter ist, braucht man all diese Eingrenzungen nicht mehr.“
43 Jahre ist Bonnie Raitt inzwischen im Geschäft, fast so lang wie die Stones. Bonnie lacht: „Hey, mit denen hab ich gerade erst zusammengespielt. Das war toll. Wir haben ‚Let It Bleed‘ gesungen, und sie ließen mich zwei Gitarrensoli spielen.“ Wieso „ließen“? Ist das nicht zu bescheiden für eine Musikerin, die sich in all den Jahren einen großen Namen gemacht hat als exquisite Gitarristin? „Na ja, als Gitarristin bin ich ganz okay, aber ich werde vermutlich nur deshalb so hoch gelobt, weil es nicht so viele Lead-Gitarristinnen gibt, die Slide spielen. Aber die Technik ist gar nicht so schwer. Erspart das Lernen von Akkorden, sage ich immer …“ Doch ist nicht bei dieser Art von Musik statt Virtuosität viel entscheidender, dass man Herz und Gefühl spüren kann? „Ja, es freut mich, wenn die Leute sagen, ich spiele mit Seele und Ausdruck. Darum geht es mir auch. Und eigentlich ist mir das Singen auch wichtiger als das ­Spielen.“
Manche Stimmen lassen mit zunehmendem Alter nach, doch die von Bonnie Raitt klingt auf dem neuen Album besser denn je. „Ach, das Alter. Ich glaube, Mick Jagger hat nie besser geklungen als jetzt. Oder Bruce Springsteen. Mein Vater, ein Broadway-Sänger, war am besten in seinen Sechzigern. Das Alter macht einen klüger und erfahrener. Das drückt sich in der Stimme genauso aus wie in der ganzen Persönlichkeit. Man gewinnt Ausgeglichenheit und Kraft in den Uptempo-Songs und Tiefe und Eindringlichkeit in den Balladen.“

Text: H.P. Daniels

Foto: Marina Chavez

Bonnie Raitt + Foy Vance, Admiralspalast, So 30.6., 20 Uhr, VVK: 42?–?55 Euro zzgl. Gebühr

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