Konzerte & Party

Bosse – ohne Krawall und Remmidemmi

In ConcertUnd seit seiner letzten Veröffentlichung „Guten Morgen Spinner“ ist einiges passiert im Leben des Wahl-Hamburgers. Bosse ist nicht mehr beim großen Musikkonzern EMI, er ist Vater geworden, lebt mit seiner Frau phasenweise in der Türkei, und vor allem: Er ist nun bedeutend ruhiger. Von einer „dämli­chen Dauerjugendlichkeit“ will Bosse derzeit nichts wissen, Krawall und Remmidemmi machen will er auch nicht mehr. Schlüsselereignis für eine musikalische Wandlung ist sein Unplugged-Konzert letztes Jahr in Berlin: „Zum ersten Mal kamen Menschen nach dem Auftritt an meinen Stand und sprachen mit mir über Texte. Früher torkelten sie bloß mit blutigen Nasen vorbei und lallten: ,Goiler Rock’n’Roll, Alder!“ Mit Akustikgitarren, Pianomelodien und Streichern ist „Taxi“ definitiv keine Rock’n’Roll-Platte mehr. Bei seinem mittlerweile dritten Album ließ sich Bosse Zeit, drehte jedes Wort 30 Mal um, perfektionierte die Klänge und verbrachte viel Zeit zusammen mit Produzent Jochen Naaf (Peter Licht, Polarkreis 18) in dessen Wohnzimmer-Studio. Entstanden ist eine reife Platte voller Sehnsucht und Eindringlichkeit, die bei aller Grundtraurigkeit und Melancholie als sympathischer Mutmacher funktioniert. Intelligent, aber fern von fordernder Intellektualität erzählt Bosse vom alltäglichen Chaos, von der kollektiven Depression, von Selbstzweifeln und trotzigem Weitermachen – aber auch vom Glück, das auf der Straße liegt, uns begegnet und bleibt (wie im Song „Gegen Murphy“). Axel Bosse selbst behauptet, dass er diesmal wirklich seinen Weg gefunden hat. Wir glauben ihm.

Text: Simone Jung

Bosse + Frida, Postbahnhof, Do 12.3., 20 Uhr, VVK: 14,40 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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