Konzerte & Party

Boys Noize auf dem Berlin Festival

Boys Noizetip Im letzten Jahr warst du gar nicht auf dem Berlin Festival. Jetzt gleich mit einer eigenen Bühne…
Alex Ridha 2009 war ich terminlich einfach verhindert. Conny Opper, den Veranstalter des Festivals, kenne ich schon seit 2001. Ich habe damals noch in seinem ganz alten Club Rio aufgelegt. So hat sich eine Boys-Noize-Stage dieses Jahr angeboten. Außerdem habe ich das im Ausland schon auf anderen Festivals gemacht, dort hat es immer gut funktioniert. Deswegen wurde es jetzt Zeit für unsere Deutschland-Premiere.

tip Wann hast du denn beschlossen, dein Label auf diese Art zu präsentieren?
Ridha Die Stage ist eigentlich nur eine Weiterentwicklung unserer ersten Partys. Angefangen hat das alles 2005, im Keller des White Trash, mit ungefähr 150 Leuten – vollkommen ohne Promotion.

tip Wie wurde es schließlich professioneller?
Ridha Die Idee einer eigenen Festival-Bühne resultiert im Grunde aus unseren Label-Nights, die wir zum Beispiel in der Fabric in London veranstaltet haben: Ich wurde für eine Show angefragt und habe daraufhin angeboten, die ganze Nacht mit Boys-Noize-Künstlern zu gestalten.

tip Was war denn deine Intention, ein eigenes Label zu starten, welche Leute möchtest du damit erreichen?
Ridha Ursprünglich wollte ich pro Release nur eine kleine Vinyl-Auflage für DJs pressen. Das hat sich aber verselbstständigt, durch die Blogs bekam es schnell eine neue Dimension. Trotzdem, mein Ansatz war es schon immer, nur die Leute zu meinen Partys zu bekommen, die auch wirklich an der Musik interessiert sind – also kein Laufpublikum.

tip Das kann man in Berlin oft nur schwer verhindern. Wie denkst du über die Stadt als Musikmetropole?
Ridha Gerade in Berlin ist eigentlich ein anderer Sound als meiner sehr präsent, eben Minimal und Ähnliches. Ich habe mich schon immer als Außenseiter gefühlt, was meine Musik betrifft.

Boys Noizetip Inwiefern fühlst du dich trotzdem der Hauptstadt verbunden?
Ridha Im Herzen bleibe ich Hamburger, der kommt auch oft noch bei mir durch. Aber ich bin glücklich in Berlin, diese Stadt ist mein Zuhause, hier fühle ich mich wohl, hierhin komme ich immer wieder gern zurück.

tip Und musst oft zurückkommen, denn du bist fast immer unterwegs …
Ridha Stimmt. Ich habe in einem Jahr bis zu 150 Shows gespielt, das bedeutet faktisch, dass man mehr als die Hälfte des Jahres nicht daheim ist.

tip Würdest du sagen, dass du Berlin als Künstler im Ausland repräsentierst?
Ridha Ich werde oft für einen Franzosen gehalten und nicht unbedingt als Berliner wahrgenommen, eher noch als Deutscher. Klar, alle kennen die Stadt – aber sie wissen nicht, wie besonders sie ist. Dennoch, alle schwärmen von Berlin und wollen in dieser Stadt leben, weil ihre Freunde sind ja schon hier! Ich kenne sogar New Yorker, die hierher gezogen sind.

tip Was liebst du persönlich an Berlin?
Ridha Ich mag diese Echtheit. In vielen anderen Weltstädten ist der Style oft ‚so over the top‘. Doch hier kann man in Jogginghosen vor die Tür gehen und muss nicht zu jedem nett sein.

tip Beim Berlin Festival bist du nicht nur Künstler, sondern auch Zuschauer. Worauf freust du dich am meisten?
Ridha Ich schätze diesen Indie-Faktor sehr, dass dort auch Bands jenseits des großen Mainstreams spielen. Auf LCD Soundsystem bin ich gespannt. Die Editors habe ich bisher noch nie live gesehen und Hot Chip sind einfach eine super Band.

tip Wen darf man auf deiner Bühne nicht verpassen?
Ridha Djedjotronic! Ein junger Franzose, der gerade riesige Schritte macht. Ich habe ihm deswegen gerade geraten, nach Berlin zu ziehen. Denn ich möchte hier demnächst ein richtiges Boys-Noize-Studio für unsere Künstler aufbauen.

Interview: Jan Schimmang

Foto unten: Oliver Wolff

BOYS NOIZE (BERLIN FESTIVAL), Flughafen Tempelhof, Sa. 11.9., 2.00 Uhr, Tagesticket: 39 Euro, Festival: 59 Euro

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