Konzerte & Party

Brian Jonestown Massacre im Magnet

Brian Jonestown Massacre

Man könnte meinen, Musiker seien heute generell zahmer als früher. Dieser Eindruck relativiert sich aber ganz schnell, wenn man sich näher mit Anton Newcombe beschäftigt. Dieser Mann, einzige personelle Konstante bei Brian Jonestown Massacre, kann sich schon mal in einen Wüterich verwandeln. Das weiß man spätestens seit der viel beachteten DVD-Dokumentation „Dig“, die von der erst symbiotischen, dann zunehmend problematischen Beziehung zwischen seiner Band und den Dandy Warhols handelt. Man erlebt Newcombe als einen Kerl, der ständig ausflippt, Drogen im Übermaß nimmt, sich mit seinen eigenen Musikern schlägt und einem Konzertbesucher ins Gesicht springt. „Ich hatte ein Haus in Hollywood, wo ich mir nur arabische Musik angehört und mich ständig zugedröhnt habe“, erinnert sich Newcombe. „Irgendwann war ich bei einer Wodkaflasche pro Tag. Dann stand meine Mutter vor der Tür und hielt mir eine Predigt. Ich solle mich gefälligst zusammenreißen, sagte sie.“ Leider zeigte die Ansprache nicht gleich Wirkung. Vor zwei Jahren sollte Newcombe in Berlin Auskunft über sein schwer verdauliches Krachopus „My Bloody Underground“ geben, doch schon zur Mittagszeit war er nicht etwa am verabredeten Ort, sondern in einer Gaststätte.
Heute trifft man Newcombe meistens in Mitte an. In der Künstlerszene der 8MM Bar hat er ein Zuhause gefunden. Es ist nicht das gesündeste Ambiente, das er sich da ausgesucht hat. Doch der gebürtige Kalifornier habe den Drogen und dem Alkohol abgeschworen. Das mit den Zigaretten kriege er auch noch hin, sagt er. Seine Musik hat von der Ausnüchterung auf jeden Fall profitiert. Das neue Album „Who Killed Sgt. Pepper?“ ist richtig gut geworden und klingt unerwartet elektronisch, tanzbar und zugänglich. Der Song „Let’s Go Fucking Mental“ hat das Zeug zur Hymne. An anderen Stellen machen sich Stimmen aus Island und Russland bemerkbar. Newcombe betrachtet das alles als Teil einer globalen Popmusik für das 21. Jahrhundert: „Wir können doch nicht ernsthaft noch an die Allgemeingültigkeit der angloamerikanischen Kultur glauben. Musik aus anderen Ecken der Welt prägt unser heutiges Leben doch genauso wie das, was von den Beatles abstammt.“

Text: Thomas Weiland

Brian Jonestown Massacre + Sparrow & The Workshop, Magnet, Do. 6.5., 21 Uhr, VK: 13 Euro

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