Konzerte & Party

Brisa Rochй im Kesselhaus der Kulturbrauerei

Brisa Rochй

Vielleicht erinnert sich nicht jeder an die kleinen Sixties-Perlen, die Brisa Rochй vor zwei Jahren auf ihrem Album „Takes“ versammelte. Das Plattencover aber vergisst man sicher nicht: Darauf posiert die Kalifornierin mit kaum mehr als einem elegant drapierten Bündel Mikrofone auf der nackten Haut. Die Songs klingen natürlich und sympathisch hausgemacht; sie passen zu der Frau, deren Leben so klingt wie eine Hippie-Fantasie: Aufgewachsen als Spross von Künstler-Eltern, selbst Malerin und Sängerin, früh schon ständig auf Reisen, bald mit Adresse in Paris. Dort schloss man die Amerikanerin mit dem lässigen Charme rasch ins Herz. Eine gegenseitige Liebe: „Ich schätze den Respekt, der in Frankreich Künstlern entgegengebracht wird. Außerdem mag ich das Gefühl, die Ausländerin zu sein“, sagt Rochй und lächelt. In Paris hat sich für die Sängerin mit der schwarzen Mähne und den durchdringend blauen Augen zudem ein großer Wunsch erfüllt: Endlich hat sie Musiker gefunden, die auf ähnliche Weise ticken wie die eigensinnige Bandleaderin. „Von einer eigenen Band träumt wohl jeder Songwriter“, sagt sie, „Entweder du lernst sie mit 13 im Nachbarhaus kennen, und man bleibt zusammen. Oder du bist immer auf der Suche.“ Mit dem jetzigen Quartett um Gitarrist Jйrфme Mackowiak hat sie alle Songs des neuen Albums „All Right Now“ gemeinsam geschrieben. Auf Tour habe sich schnell gezeigt, dass die Chemie stimmt. Nach beflügelnden Konzerten reiste der Trupp in Rochйs nordkalifornische Heimat: ins malerische Elternhaus der 34-Jährigen in einem hippieseligen Nest im Grünen, wo Rochйs Stiefvater einen Bioladen betreibt. Dort kochte man zusammen, lieh sich Brisa RochйInstrumente und Equipment zusammen, hockte auch mal nackt in der Hängematte – wobei die Lust auf „tanzbare Songs“ stieg. Das Ergebnis klingt groovebetont und voller Melodien. Inmitten ihrer Glamrock-Runde gibt Rochй die Spielerin, gibt mal die ätherische Sirene, mal die intensive Verführerin. „You’re the only man who can satisfy me“, singt sie eingangs mit fordernd klarer Stimme zu dunkel schwingenden Blues-Akkorden. „Sweat King“ schließlich ist eine Ode an verschwitzte Nächte: „Sweat’s one of the things you know you promised me. Just make sure tonight I never yawn“, teilt sie ihrem Lover mit. Man braucht nicht alles wörtlich zu verstehen, um das Grundthema zu erfassen: „Es geht um Sehnsucht, Begierde, Männer, Sex. Und um den Willen, frei zu sein, Kontrolle zu haben“, sagt die 34-Jährige. „Ich singe viel mit einer tiefen, starken Stimme. Mir fällt auch auf, dass ich auf vielen der Songs mein Gegenüber, den Mann, auf frontale, sexuelle Art anspreche.“ Der Grund für den neuen fordernden Gestus? „Vielleicht hat es mit meinem Alter zu tun?“, überlegt sie, „Ich habe mich mit Freundinnen kürzlich darüber unterhalten; es scheint so, als sei Frauen in meinem Alter das Sexuelle sehr wichtig, Männern dagegen verlieren eher das Interesse – was natürlich frustrierend sein kann. Ich denke, ich habe einen Weg gefunden, damit direkter umzugehen, auszusprechen, was ich will.“ Zurzeit scheint alles zu stimmen für die Musikerin, die zudem im November ihr erstes Kind erwartet. Fehlt nur noch, dass aus dem jetzigen Bandgefüge eine Dauerbeziehung wird. So aber hält Brisa Rochй den goldenen Moment auf ihrem Album fest – ihrem intensivsten bisher.

Text: Ulrike Rechel

BRISA ROCHЙ, Kesselhaus in der Kulturbrauerei, Mi 8.9., 20 Uhr, VVK: 12 Euro

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