Konzerte & Party

Broilers in der Zitadelle Spandau

Broilers

Eine ruhige Minute hat Sammy Amara in letzter Zeit kaum gehabt. „Couchen zu Hause und mal die X-Box anmachen“, das sei es schon gewesen, sagt er. Es läuft 2014 aber auch einfach verdammt gut für ihn und seine Broilers-Kollegen: Ein Nummer-eins-Album mit „Noir“, die erste Goldene Schallplatte für den Vorgänger „Santa Muerte“ und eine Tour vor insgesamt 70.000 Leuten – nicht schlecht für eine Kapelle, die Mitte der Neunziger mit räudigem Streetpunk an den Start ging. Man sei über die Jahre Stück für Stück gewachsen, versucht Amara zu erläutern, warum das Quintett inzwischen im Mainstream mitschwimmt. „Irgendwann wurden die Schritte größer, und das Ganze hat sich potenziert.“ Das im Zeitablauf ausdifferenzierte Klangbild dürfte wesentlich dazu beigetragen haben: In das Geholze mischten sich erst Ska, Reggae sowie eine Prise Psychobilly, dann entdeckte Songschreiber und Texter Amara Bruce Springsteen für sich. Nun gehen die Broilers endgültig den Schritt zum Stadion-Rock – und darüber hinaus. „Ich weiß, dass ‚Noir‘ die Grenzen zum Pop auslotet“, kommentiert Amara die Schwierigkeiten vieler Anhänger mit der aktuellen Platte. Trotzdem sei sie „perfekt und richtig“, denn: „Wir lieben einfach Musik als Ganzes, das ist nicht auf ein Genre festzulegen.“ Inhaltlich setzen die Düsseldorfer ohnehin noch immer auf den Punk: Als jüngst ein „Deutschrock“-Feature aus dem Hause Springer die Broilers absurderweise zur Schar von „Tabubands“ zählte, die „oft in die rechte Ecke gedrückt“ würden, posteten sie unter der Überschrift „Bild lügt!“ ein wütendes Statement. Gleichwohl, sagt Amara, kämen auch zu ihren Konzerten Leute, „mit denen ich nicht auf einer Wellenlänge liege. Aber genau die sind es, die ich sensibilisieren möchte.“ Auch mit der Single „Ich will hier nicht sein“, die das Schicksal von Flüchtlingen behandelt. Im Video-Clip erzählt einer von ihnen, er vermisse hier „alles“. Sogar die Leute, vor denen er zu Hause davonlaufe.

Text: Roy Fabian

Foto: Robert Eikelpoth

Broilers, Zitadelle Spandau, Am Juliusturm, Spandau, Sa 26.7., 18.30 Uhr, VVK: 32,50 Euro zzgl. Gebühr

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